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Schweizerischer Jugendfreund : illustriertes Lesebuch für die Oberstufe der Volksschule
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Denn wo das Strenge mit dem Zarten,wo Starkes sich und Mildes paarten,da giebt es einen guten Klang.

Drum prüfe, wer sich ewig bindet,ob sich das Herz zum Herzen findet!Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang.Lieblich in der Bräute Lockenspielt der jungfräuliche Kranz,wenn die hellen Kirchenglockenladen zu des Festes Glanz.

Ach! des Lebens schönste Feierendigt auch den Lebensmai;mit dem Gürtel, mit dem Schleierreißt der schöne Wahn entzwei.

Die Leidenschaft flieht,die Liebe muß bleiben;die Blume verblüht,die Frucht muß treiben.

Der Mann muß hinausins feindliche Leben,muß wirken und strebenund pflanzen und schaffen,erlisten, erraffen,muß wetten und wagen,das Glück zu erjagen.

Da strömt herbei die unendliche Gabe,es füllt sich der Speicher mit köstlicherHabe.

Die Räume wachsen, es Lehnt sich dasHaus.

Und drinnen waltetdie züchtige Hausfrau,die Mutter der Kinder,und herrschet weiseim häuslichen Kreise,und lehret die Mädchenund wehret den Knaben,und reget ohn' Endedie fleißigen Hände,und mehrt den Gewinnmit ordnendem Sinn,und füllet mit Schätzen die duftendenLaden

und dreht um die schnurrende Spindelden Faden,

und sammelt im reinlich geglättetenSchrein

die schimmernde Wolle, den schneeichtenLein,

und füget zum Guten den Glanz undden Schimmer

und ruhet nimmer.

Und der Vater mit frohem Blick,von des Hauses weitschauendem Giebel,überzählet sein blühend Glück,siehet der Pfosten ragende Bäumeund der Scheunen gefüllte Räume,und die Speicher, vom Segen gebogen,und des Kornes bewegte Wogen,rühmt sich mit stolzem Mund:

Fest, wie der Erde Grund,gegen des Unglücks Machtsteht mir des Hauses Pracht!

Doch mit des Geschickes Mächtenist kein ew'ger Bund zn flechten,und das Unglück schreitet schnell.

V.

Mohl! nun kann der Guß beginnen,schön gezacket ist der Bruch.

Doch bevor wir's lassen rinnen,betet einen frommen Spruch!

Stoßt den Zapsen aus!

Gott bewahr' das Haus!Rauchend in des Henkels Bogenschießt's mit feuerbrauuen Wogen.

Mohlthätig ist des Feuers Macht,wenn sie der Mensch bezähmt, bewacht,und was er bildet, was er schafft,das dankt er dieser Himmelskrast;doch furchtbar wird die Himmelskrast,wenn sie der Fessel sich cntrafft,einhertritt auf der eignen Spur,die freie Tochter der Natur.

Wehe, wenn sie losgelassen,wachsend ohne Widerstand,durch die volkbelebten Gassenwälzt den ungeheuren Brand!