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Schweizerischer Jugendfreund : illustriertes Lesebuch für die Oberstufe der Volksschule
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Denn die Elemente HaffenLas Gebild der Menschenhand.

Aus der Wolkequillt der Segen,strömt der Regen;aus der Wolke, ohne Wahl,zuckt der Strahl.

Hört ihr's wimmern hoch vom Turm?Das ist Sturm!

Rot wie Blutist der Himmel!

Das ist nicht des Tages Glut!

Welch GetümmelStraßen auf!

Dampf wallt auf!

Flackernd steigt die Feuersäule;durch der Straße lange Zeilewächst es fort mit Windeseile!

Kochend, wie aus Ofens Rachen,glühn die Lüste, Balken krachen,

Pfosten stürzen, Fenster klirren,

Kinder jammern, Mütter irren,

Tiere wimmernunter Trümmern;

Alles rennet, rettet, flüchtet,taghell ist die Nacht gelichtet.

Durch der Hände lange Ketteum die Wette

fliegt der Eimer; hoch im Bogenspritzen Quellen Wasscrwogen.

Heulend kommt der Sturm geflogen,der die Flamme brausend sucht.Prasselnd in die dürre Fruchtfällt sie, in des Speichers Räume,in der Sparren dürre Bäume!und als wollte sie im Wehenmit sich fort der Erde Wuchtreißen in gewalt'ger Flucht,wächst sie in des Himmels Höhenriesengroß!

Hoffnungslos

weicht der Mensch der Gölterstärke,müßig sieht er seine Werkeund bewundernd untergehen.

Aeergebranntist die Stätte,

wilder Stürme rauhes Bette.

In den öden Fensterhöhlenwohnt das Grauen,und des Himmels Wolken schauenhoch hinein.

Einen Blicknach dem Grabeseiner Habe

sendet noch der Mensch zurück,greift fröhlich dann zum Wanderstabe.Was Feuers Wut ihm auch geraubt,ein süßer Trost ist ihm geblieben:

Er zählt die Häupter seiner Lieben,und sieh! ihm fehlt kein teures Haupt.

VI.

An die Erd' ist's aufgenommen,glücklich ist die Form gefüllt;wird's auch schön zu Tage kommen,daß es Fleiß und Kunst vergilt?Wenn der Guß mißlang?

Wenn die Form zersprang?

Ach! vielleicht, indem wir hoffen,hat uns Unheil schon getroffen.

Dem dunklen Schoß der heilgcn Erdevertrauen wir der Hände That,vertraut der Sämann seine Saatund hofft, daß sie entkeimen werdezum Segen, nach des Himmels Rat.Noch köstlicheren Samen bergenwir trauernd in der Erde Schoßund hoffen, daß er aus den Särgenerblühen soll zu schönerm Los.

Don dem Dome,schwer und bang,tönt die GlockeGrabgesang.

Ernst begleiten ihre Trauerschlägeeinen Wandrer auf dem letzten Wege.