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„Wenn der Alte so sprach, strahlten seine Augen, und sein ganzesGesicht leuchtete vor Freude, und er konnte kaum das Ende seiner Er-zählungen finden, und wir hörten ihm alle gern zu, weil er ein so treu-herziger Mann war. Nun war unter den Reisegefährten ein französischerKaufmann, der seine Frau vor kurzem in Neu-Orleans verloren hatte,und jetzt nach Bordeaux reiste, um das Kind, das sie ihm hinterlassenhatte, zu seinen Schwiegereltern zu bringen. Dieses Kind, ein Mädchenvon fünf Jahren, dem man das französische Blut in jeder Bewegungansah, entwischt eines Morgens seiner schlummernden Wärterin und steigtauf das Verdeck, wahrscheinlich um den alten Beckncr aufzusuchen, dersich viel mit dem Kinde abgab und ihm mancherlei Zeitvertreib machte.Da dieser nun nicht gleich bei der Hand war, wagte es sich zu weit an
den Rand hin, und indem es neugierig in die Tiefe blickt, wird es vom
Schwindel ergriffen und fällt hinab. Die Wärterin, die dem Kinde nach-geeilt ist, sieht es fallen; auf ihr Angstgeschrci kommt Beckncr herbei,stürzt sich in das Meer, ergreift das Kind, das durch die lockere Be-kleidung noch über Wasser gehalten wird, und indem er es mit der linkenHand festhält, rudert er mit der rechten dem Schiffe nach. Das Verdeck
hatte sich jetzt mit Menschen angefüllt, alle starrten nach dem kräftigen
Schwimmer hin, vor allem wie man denken kann, der Vater des Kindes,welcher die Bewegungen des Matrosen mit seinen eigenen begleitete, indie See hinaus rief, und dem zitternden Kinde Mut einsprach. Diesesdrückte sich ängstlich an seinen Retter, und Becker ruderte, so schnell ermit einer Hand konnte, dem Schiffe nach, und schon war er ziemlich nah,als er einen lauten Schrei ansstieß, der uns alle mit Entsetzen erfüllte.Niemand wußte gleich die Ursache; aber indem wir der Richtung seinerAugen folgten, erblickten wir einen Haifisch, der die Flut mit unglaub-licher Schnelligkeit durchschnitt und in wenigen Augenblicken den Schwim-menden erreichen mußte. Alles geriet in Bewegung, einer lief gegen denandern; die einen schrien, um das Tier zu schrecken, andere warfen nachihm, was ihnen in die Hände kam, Flinten wurden abgefeuert undKanoncuschläge losgelassen. Umsonst. Der Lärm, die Angst war allgemein;des Vaters Zustand aber ist nicht zu beschreiben. Ungcschreckt verfolgtdas Untier seinen Weg, und nur noch wenige Lachtcrn (zu zwei Meter)entfernt, schien es seiner Beute schon gewiß zu sein. Jeder erwartete dasEntsetzlichste. In diesem Augenblicke kam Volney Beckncr seinem Vaterzu Hilfe. Einen Hirschfänger in der Hand, den er in der Kajüte desKapitäns gefunden hatte, stürzte er auf das Verdeck, warf sich kopfwärtsin das Meer, tauchte unter und begann einen Kampf mit dem Ungeheuerdes Abgrunds. Bald färbte dieses mit seinem Blute das Meer, undwährend es sich nach dem neuen Feinde hinkchrt, der ihm so unerwartetden Weg verlegt, wird dem ältern Bcckuer vom Schiffe herab ein Tauzugeworfen. Er greift darnach; zweimal entschlüpft es bei dem Schwankender Wellen seiner Hand; endlich hält er es fest und wird mit dem Kind