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Die Blüte von Zürich sank auf dem blutigen Schlachtfelde vonKappel, — in ihrer Mitte Zwingli. Ein Stein hatte ihn zu Bodengestreckt. Mehrmals erhob er sich, bis endlich ein Schlag auf das Hauptund zwei Stiche in die Schenkel ihn tödlich verwundeten. Unter einemBirnbaum liegend, mit gefalteten Händen, fanden ihn nachts feindliche,plündernde Soldaten. Sie fragten ihn, ob er einem Priester beichtenwolle. Zwingli schüttelte verneinend das Haupt. Als die Gesellen,ohne ihn zu kennen, ihn als einen hartnäckigen Ketzer schmähten, ver-setzte ihm der Hauptmann Vockinger aus Unterwalden in den Hals denTodesstoß. Es war am 11. Oktober 1531. Zwingli war nicht ganz48 Jahre alt geworden. Am folgenden Tag wurde sein Leichnam, nach-dem man ihn erkannt, von dem wütenden Heerhaufen der Sieger ge-vierteilt, verbrannt und die Asche in den Wind gestreut. — PfarrerSchönbrunner von Zug, der früher in Zürich Chorherr gewesen war,konnte sich, da er vor Zwinglis Leiche stand, der Thränen nicht ent-halten und sprach: „Was auch dein Glaube war, ich weiß, daß du einredlicher Eidgenosse gewesen bist. Gott verzeihe dir deine Sünden".
Die Züricher erlitten eine völlige Niederlage. Mit Not wurde dasBanner gerettet. Nahezu der vierte Teil ihres Heeres, über 400 Mann,blieben auf dem Schlachtfelde, darunter 26 Ratsherren, viele Haupt-leute, sieben Geistliche aus der Stadt und achtzehn von der Landschaft.Zwinglis Gattin verlor außer ihm auch ihren Sohn aus erster Ehe,einen Tochtermaun, ihren Bruder und ihren Schwager.
Der zweite Landfriede von 1531 fiel für die Reformation derSchweiz weit ungünstiger aus als der erste. In den gemeinen Herr-schaften und Vogteien wurde an vielen Orten der katholische Gottesdienstwieder hergestellt. In: ganzen ist katholisches und reformiertes Gebietder Schweiz seither dasselbe geblieben, wie zur Zeit nach der Schlachtvon Kappel.
1VV. Der Rappe des Komturs.
Conrad Ferdinand Meyer, Gedichte.
E)err Conrad Schnöd legt' um die Wehr; man führt' ihm seinen Rappen her:„Den Zwingli lass' ich nicht im Stich, und kommt ihr mit, so freut es mich,"Da griffen mit dem Herren wert von Kllßnach dreißig frisch zum Schwert;mit Mann und Roß im Morgenrot stieß ab das kriegsbeladne Boot.
Trag schlich der Tag; dann durch die Nacht flog Kunde von Verlorner Schlacht.