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Schweizerischer Jugendfreund : illustriertes Lesebuch für die Oberstufe der Volksschule
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137. Ende gut, alles gut.

I. P. Hebel, Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes.

^ndegut, alles gut." Ist nicht so zu verstehen: Wenn du ein Jahrlang in einem Hause zu bleiben hast, so führe dich 364 Tage lang bengel-haft auf, und am 31. Dezember werde manierlich. Sondern es giebt Leute,die manierlich sein können bis aus Ende, und wenn's nimmer lang währt,so werden sie ungezogen, trotzig, sagen:Ich bin froh, daß es nimmer langwährt," und die andern denken's auch. Für diese ist das Sprichwort.

Item, es giebt Dinge, ob sie gut oder bös sind, kann erst dasEnde lehren. Zum Beispiel, du bist krank, möchtest gern essen, wasdir der Arzt verbietet, gern auf die Gasse gießen, was du trinken mußt,aber du wirst gesund; oder du bist in der Lehre und meinst manch-mal, der Lehrherr sei wunderlich, aber du wirst durch seine Wunderlich-keit ein geschickter Weißgerber oder Orgelmacher; oder du bist imZuchthaus, der Zuchtmeister könnte dir wohl die Suppe fetter machen,aber du wirst durch Wasser und Brot nicht nur gesättigt, sondern auchgebessert: dann lehrt das gute Ende, daß alles gut war.

138. Herbstlied

^chon ins Land der Pyramidenflohn die Störche übers Meer;Schwalbenflug ist längst geschieden,auch die Lerche singt nicht mehr.Seufzend in geheimer Klagestreift der Wind das letzte Griln,und die süßen Sommertageach, sie sind dahin, dahin!

Th. Storni.

Aebel hat den Wald verschlungen,der dein stilles Glück gesehn;ganz in Duft und Dämmerungenwill die schöne Welt vergehn.

Hlnr noch einmal bricht die Sonneunaufhaltsam durch den Duft,und ein Strahl der alten Wonneriefelt über Thal und Kluft.

Zlnd es leuchten Wald und Heide,daß man sicher glauben mag,hinter allem Winterlcidelieg' ein ferner Frühlingstag.

13S. Der Wächter in der Mitternacht.

Joh. Peter Hebel, Allemamüsche Gedichte.

^oset, was i euch will sage! D'Glocke het Zwölfi gschlage."Wie still isch alles! Wie verborgen isch,was Lebe. heißt, im Schoß der Mitternachtuf Stroß und Feld! Es tönt kei Meuschetritt;