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Schweizerischer Jugendfreund : illustriertes Lesebuch für die Oberstufe der Volksschule
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4. Da denk' ich jener Stunde,als in des Feldes Runde

die Hirten sind erwacht,geweckt vom Glanzgefunkel,das durch der Bäume Dunkelein Engel mit herabgebracht.

5. Und wie sie da nach obendie Blicke schüchtern hoben

und sahn den Engel stehn,da standen sie im Strahle,wie wenn zum erstenmaledie Kinder einen Christbaum sehn.

6. Doch was ist all Entzückender Kindlein, die erblicken,

was ihnen ward beschert,gedenk' ich, wie die Kundedes Heils von Engelsmundedie frommen Hirten angehört!

7. Und rings ob allen Bäumensang in den Himmelsräumender frohen Engel Schar:

Gott in der Höh' soll werdender Ruhm, und Fried' auf Erdenund Wohlgefallen immerdar!"

8. Drum pflanzet grüne Äste,und schmücket sie aufs beste

mit frommer Liebe Hand,daß sie ein Abbild werdender Liebe, die zur Erdensolch großes Heil uns hat gesandt.

9. Ja, laßt die Glocken klingen,daß, wie der Engel Singen,

sie rufen laut und klar:

Gott in der Höh' soll werdender Ruhm, und Fried' auf Erdenund Wohlgefallen immerdar!"

L4S. Als ich Chrifttagsfrcudc holen ging.

^ Peter Rosegger, Waldjugtttd.

,^Hn meinem zwölften Lebensjahre wird es gewesen sein, als amFrühmorgen des heiligen Christabends mein Vater mich an der Schulterrüttelte: ich solle aufwachen und zur Besinnung kommen, er habe mirwas zu sagen. Die Augen waren bald offen, aber die Besinnung! Alsich unter Mithilfe der Mutter angezogen war und bei der Frnhsuppcsaß, verlor sich die Schlaftrunkenheit allmählich, und nun sprach meinVater:Peter, jetzt höre, was ich dir sage. Da nimm einen leerenSack, denn du wirst was heimtragen. Da nimm meinen Stecken, dennes ist viel Schnee; und da nimm eine Laterne, denn der Pfad ist schlechtund die Stege sind vereist. Du mußt hinabgehen nach Langenwang.Den Holzhändler Spreitzegger zu Langenwang, den kennst du; der istmir noch immer das Geld schuldig, zwei Gulden und sechsunddreißigKreuzer für den Lärchbanm. Ich laß ihn bitten drum; schön höflich an-klopfen und den Hut abnehmen, wenn du in sein Zimmer trittst. Mitdem Gelde gehest nachher zum Kaufmann Doppelreiter und kaufest zweiMaßel Semmelmehl und zwei Pfund Rindschmalz und um zwei Gro-schen Salz, und das trägst Heini." Jetzt war aber auch meine Mutterzugegen, ebenfalls schon angekleidet, während meine sechs jüngeren