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Schweizerischer Jugendfreund : illustriertes Lesebuch für die Oberstufe der Volksschule
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Geschwister noch ringsum an der Wand in ihren Bettchen schliefen. DieMutter, die redete drein wie folgt:Mit Mehl und Schmalz und Salzallein kann ich kein Christtagsessen richten. Ich brauch' dazu nochBierhefe um einen Groschen, Wcinbeerln um fünf Kreuzer, Zucker umfünf Groschen, Safran um zwei Groschen und Neugewürz um zweiKreuzer. Etliche Semmeln werden auch müssen sein."So kaufest es",setzte der Vater ruhig bei.Und wenn Dir das Geld zu wenig wird, sobittest den Herrn Doppelreiter, er möcht' die Sachen derweil borgen, undzu Ostern, wenn Kohlenraitung sabrechnungj ist, wollt' ich schonfleißig zahlen. Eine Semmel kannst du unterwegs selber essen, weil duvor Abend nicht heimkommst. Und jetzt kannst gehen, es wird schon fünfUhr, und daß du noch die Achte-Messe erlangst zu Langenwang."

Das war alles gut und recht. Den Sack band mein Vater mir umdie Mitte, den Stecken nahm ich in die rechte Hand, die Laterne mitder frischen Unschlittkerze in die linke, und so ging ich davon, wie ichzu jener Zeit in Wintertagen oft davongegangen war. Der durch wenigeFußgeher ausgetretene Pfad war holperig im tiefen Schnee, und es istnicht immer leicht, nach den Fußstapfen unserer Vorderen zu wandeln,wenn diese zu lange Beine gehabt haben. Noch nicht dreihundert Schrittewar ich gegangen, so lag ich im Schnee, und die Laterne, hingeschleudert,war ausgelöscht. Ich suchte mich langsam zusammen, und dann schauteich die wunderschöne Nacht an. Anfangs war sie ganz grausam finster;allmählich hub der Schnee an, weiß zu werden und die Bäume schwarz,und in der Höhe war Helles Stcrnengefunkel. In den Schnee fallenkann man auch ohne Laterne; so stellte ich sie seithin unter einen Strauch,und ohne Licht ging's nun besser als vorhin. In die Thalschluchtkam ich hinab, das Wasser des Fresenbaches war eingedeckt mit glattemEise, auf welchem, als ich über den Steg ging, die Sterne des Him-mels gleichsam Schlittschuh liefen. Später war ein Berg zu übersteigen;auf den, Passe, genannt derHöllkogel", stieß ich zur wegsamen Bezirks-straße, die durch Wald und Wald hinabführt in das Mürzthal. Indiesem lag ein weites Meer von Nebel, in welches ich sachte hineinkam,und die feuchte Luft fing an, einen Geruch zu haben, sie roch nachSteinkohlen; und die Luft fing an, fernen Lärm an mein Ohr zu tragen,denn im Thale hämmerten die Eisenwerke, rollte manchmal ein Eisen-bahnzug über dröhnende Brücken. Nach langer Wanderung ins Thalgekommen zur Landstraße, klingelte Schlittengeschelle, der Nebel wardgrau und lichter, so daß ich die Fuhrwerke und Wandersleute, die fürdie Feiertage nach ihren Heimstätten reisten, schon auf kleine Streckenweit sehen konnte. Nachdem ich eine Stunde lang im Thale fortgegangenwar, tauchte links an der Straße im Nebel ein dunkler Fleck auf, rechtsauch einer, links mehrere, rechts eine ganze Reihe, das Dorf Langen-wang. Alles, was Zeit hatte, ging der Kirche zu, denn der Heilige Abendist voller Vorahnung und Gottesweihe. Bevor noch die Messe anfing,.