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Schweizerischer Jugendfreund : illustriertes Lesebuch für die Oberstufe der Volksschule
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sehr heftig zu gehen, und ich konnte nicht recht nachkommen. Ich rutschteauf dem glitschigen Schnee mit jedem Schritt ein Stückchen zurück; derKilian hatte Fußeisen angeschnallt, hatte lange Beine, war nicht abge-mattet — da ging's freilich voran. „Herr Kilian!" rief ich. Er hörtees nicht. Der Abstand zwischen uns wurde immer größer; bei Weg-biegungen entschwand er mir manchmal ganz aus den Augen, um nachherwieder in größerer Entfernung, halb schon von Nebeldämmerung verhüllt,aufzutauchen. Jetzt wurde mir bang um mein Bündel. Kamen wir jadoch schon dem Höllkogel nahe. Das ist jene Stelle, wo der Weg nachAlpel und der Weg nach Fischbach sich gabeln. Ich hub an zu laufen;im Angesichts der Gefahr war alle Müdigkeit dahin, ich lief wie einHündlein und kam ihm näher. Was wollte ich aber anfangen, wenn ichihn eingeholt hätte, wenn ihm der Wille fehlte, die Sachen herzugeben,und mir die Kraft, sie zu nehmen? Das kann ein schönes Ende werdenmit diesem Tage; denn die Sachen lasse ich nicht im Stich, undsollte ich ihm nachlaufen müssen bis hinter den Fischbacher Wald !zuseiner Hütte!

Als wir denn beide so merkwürdig schnell vorwärts kamen, holtenwir ein Schlittengespann ein, das vor uns mit zwei grauen Ochsen undeinem schwarzen Kohlenführer langsam des Weges schliff. Der GrablerHansel! Mein grüner Kilian wollte schon an dem Gespann vorüber-huschen, da schrie ich von hinten her aus Leibeskräften: „Hansel!Hansel! Sei so gut, leg mir meine Christtagsachen auf den Schlitten,der Kilian hat sie im Korb, und er soll sie dir geben!" — Mein Ge-schrei muß wohl sehr angstvoll gewesen sein; denn der Hansel sprangsofort von seinem Schlitten und nahm eine thatbereite Haltung an. Undwie der Kilian merkte, ich hätte hier einen Bundesgenossen, riß er sichden Korb vom Rücken und schleuderte das Bündel auf den Schlitten.Noch knirschte er etwas von „dummen Bären" und „Undankbarkeit",dann war er aber auch schon davon.

Der Hansel rückte das Bündel zurecht und fragte, ob man sichdraufsetzen dürfe. Das bat ich nicht zu thun. Also that er's auch nicht;wir setzten uns hübsch nebeneinander auf den Schlitten, und ich hieltauf dem Schoße sorgfältig mit beiden Händen die Sachen für den Christ-tag. So kamen wir endlich nach Alpel. Als wir zur ersten Fresenbrückcgekommen waren, sagte der Hansel zu den Ochsen: „Oha!" und zu mir:„So!" Die Ochsen verstanden und blieben stehen; ich verstand nicht undblieb sitzen. Aber nicht mehr lange, es war ja zum Aussteigen; dennHansel mußte links in den Graben hinein und ich rechts den Berghinauf. „Dank dir's Gott, Hansel!" — „Ist schon gut, Peterl."

Zur Zeit, da ich mit meiner Last den Berg Hinanstieg, gegen meinVaterhaus, begann es zu dämmern und zu schneien. Und zuletzt war ichdoch daheim. „Hast alles ?" fragte die Mutter am Kochherd mir entgegen.„Alles!" „Brav bist. Und hungrig wirst sein." Beides ließ ich gelten.

Schweiz. Jugendfreund.

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