Buch 
Schweizerischer Jugendfreund : illustriertes Lesebuch für die Oberstufe der Volksschule
Entstehung
Seite
311
JPEG-Download
 

311

Ilnd wenn dir oft auch bangt und graut,als sei die Höll' auf Erden,nur unverzagt auf Gott vertraut!

Es muß doch Frühling werden.

148. Wer feiert die fröhlichsten Ostern?

Karl Gerok, Blumen und Sterne.

^^illkommen, o fröhlicher Ostertag! Nun klingt es wie Psalmen in Lüften,nun lebet, was welk und erstorben lag, nun grünt es auf Gräbern und Grüften;du Erde fo sonnig, du Himmel so blau, ihr Wölkchen so licht und ihr Winde so lau,was lebt in der Luft, und was webt auf der Au wer feiert die fröhlichsten Ostern?

Worüber wandl' ich am Gartenzaun: schon säumet mit Grün sich die Hecke,schon schwellen die Knospen so saftig braun, schon keimt's in der heimlichsten Ecke;die Primel, die wärmt sich im Sonnenschein, das Veilchen, es duftet am schattigenund alle die Blümchen, sie stimmen mit ein: Wir feiern die fröhlichsten Ostern! sRain,

Nun wall' ich hinaus ins besonnete Feld, da girrt es und schwirrt in den Zweigen;der Buchfink baut sich sein luftig Gezelt, und die Lerche lobfinget im Steigen,und die Vögelein all auf dem Berg und im Thal, sie stimmen die Kehlen zum Frühlings-sie grüßen mich munter und rufen zumal: Wir feiern die fröhlichsten Ostern! schoral;

Da hör' ich von ferne noch helleren Klang: die Kinder, sie tanzen den Reihen;die dumpfe Stube verschloß sie so lang, nun spielen sie wieder im Freien;die munteren Füllen, entsprungen dem Stall, sie schlagen den Reif und sie werfen densie sammeln sich lustig und rufen mir all': Wir feiern die fröhlichsten Ostern! fBall,

Doch abseits an der Linde auf hölzerner Bank, da sitzet ein Paar, sich zu sonnen;die Tochter, sie führet die Mutter, so krank, die heute dem Lager entronnen;wie wärmt ihr die Sonne das matte Gebein, wie schlürft sie die Lüste, die labenden, ein!Vier Augen, die leuchten in seligem Schein: Wir feiern die fröhlichsten Ostern!

Uun aber hör' ich in festlichem Chor vom Turme die Glocken erschallen;still tret' ich mit ein in das heilige Thor, da braust's durch die dämmernden Hallen:Der Herr ist erstanden aus Grabesnacht, der Tod ist verschlungen, der Sieg ist vollbracht,lobfinget, ihr Christen, und jauchzet mit Macht: Wir feiern die fröhlichsten Ostern!

Und als ich trat aus dem Gotteshaus, da grünten die Gräber im Kreise;da sucht' ich mir eines, mein teuerstes, aus; dort stand ich und betete leise;da säuselt in Lüften ein seliger Klang, wie wenn sein Gefieder ein Engelein schwang;da tönt es hernieder wie Seraphsgesang: Wir feiern die fröhlichsten Ostern!