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14S. Die Zustände in Frankreich vor der Revolution.
Nach G. Wiget, Schweiz, Blätter für erzieh. Unterricht. 1890 / 91 .
^.m Ende des 18. Jahrhunderts lag alle Macht, alles Ansehen,aller Einfluß im französischen Staate in den Händen des Königs, desAdels und der hohen Geistlichkeit. Diese Stände waren im Besitzaller Vorrechte und aller Staatseinnahmen. Die Masse des Volkesdagegen war ausgeschlossen von jedem Anteil an der Regierung. DasVolk hatte nichts zu sagen zur Verwaltung des Landes, es hatte nurzu steuern und zu zahlen.
Adel und Geistlichkeit hatten im Lauf der Jahrhunderte ihre bevor-zugte Stellung durch Gegenleistungen erworben. In den wilden Zeitenwährend und nach der Völkerwanderung haben die Diener der Kirche dasEvangelium verkündigt. Als das Schwert und die rohe Gewalt überRecht und Besitz entschied, haben sie Nächstenliebe, Demut, Gerechtigkeitund Selbstüberwindung gepredigt. Sie allein nahmen sich der unschuldigVerfolgten an in ihren Klöstern. Als es noch keine Gymnasien undUniversitäten gab, von der Volksschule noch keine Rede war, da wur-den in den Klosterschulen die Söhne der Freien und Unfreien unter-richtet. Bevor der Staat das Armenwesen zu seiner eigenen Aufgabemachte, sorgte die christliche Kirche jahrhundertelang für die Armen undKranken. Um die Klöster her legten sich Städte an, in denen Kunst undHandwerk gepflegt und die Ackerwirtschaft gefördert wurde, ehe manvon Gewerbemuseen und landwirtschaftlichen Schulen etwas wußte.
Nicht weniger als Kirche und Geistlichkeit hatte sich einst auch derAdel um das Volk verdient gemacht. Zur Zeit der Völkerwanderunghatte er das Land erobert, in den kriegerischen Zeiten der folgendenJahrhunderte es verteidigt. Die Ritter waren damals stets kriegs-bereit, wie heutzutage die stehenden Heere. So konnte der Bauer ruhigsäen und ernten, und wenn der Feind nahte, so wußte er, wohin ersich samt Hab und Gut retten konnte. Gerne gab er dem Adeligen
vom Ertrag des Feldes dafür, daß er ihm die andern ^g, jasein Leben beschützte.
Der König verteidigte als oberster Kriegsherr Frankreich nach außenund sorgte im Innern für Recht, Ordnung und Wohlfahrt. In seinemNamen und Auftrag wurde Recht gesprochen, wurden Straßen undKanäle gebaut, Universitäten errichtet, Handel und Industrie gefördert.