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lassen sie sich eine Handänderungssteuer zahlen, die Vs, ja '/ider Kaufsumme ausmacht. Sie bezogen Straßen- und Brückenzölle,Marktzölle, Kaualzölle, Viehzölle. Ihnen gehörten die Jagd, dieFische in den Flüssen, ja die Flüsse selbst, auch die Allmendeu unddie öffentlichen Plätze.
Von den Hörigen, deren es damals in Frankreich noch 1'/? Mil-lionen gab, forderten die Grundherren 1, 2, 3 Tage Frondienste perWoche und zudem eine Abgabe von jedem Stück Vieh, von jeder HufeLand, das sie besaßen. Die Kinder dieser Hörigen erbten ihre Elternnur dann, wenn sie ihnen auf dem Grundstück folgten; zogen sie weg,so fiel Hab und Gut dem Grundherrn zu. Manche dieser Vorrechteder bevorzugten Stände, z. B. Zölle, Jagdrecht, Fischereirecht, Erb-schaftssteuer rc. kommen heute als Hoheitsrechte des Staates der Ge-samtheit zu gute.
Die Allerbevorzugtesteu des Adels und der Geistlichkeit, ihreretwa 2000, hatten zudem alle einträglichen Stellen im ganzen König-reich inne, z. B. alle reichen Abteien, alle Statthalterstellen, die durch-schnittlich 35000—160000 Fr. pro Jahr eintrugen. Die Ämter amköniglichen Hofe wurden mit 100000 — 300000 Fr. Jahreseinkommenbezahlt. Ungeheure Summen wurden an die Günstlinge des Königsund an die Hofdamen kurzweg verschenkt.
Der verschwenderische Hofhält des Königs verschlang jährlich 40bis 45000000 Fr. Über hundert Paläste in Versailles waren nurfür den Dienst des Königs bestimmt. Die 0000 Mann seiner Leib-garde kosteten jährlich 7500000 Fr. Für seine 1800 Pferde und200 Kutschen mit 1500 Mann Bedienung zahlte der Hof jährlich7 000000 Fr. Die Jahresausgaben für die Jagd mit den 300 Extra-pferden beliefen sich auf 1000000 Fr., 50000 Fr. allein betrug dieRechnung für Hundefulter! Die Küche mit ihren 400 Köchen undPastetenbäckern und über 100 Küchenjungen erforderte jedes Jahr4000000 Fr. Nicht weniger als 15000 Menschen bedurfte also derKönig zu seinem Hofdienst. Für die Bildung des Volkes aber hatteman kein Geld übrig, für Hospitäler wurden nur 6000000 Fr., fürBrücken und Straßen 4000000 Fr. verwendet.
Der hohe Adel hielt sich zum größten Teil in Versailles auf; dermittlere und kleine Adel lebte im Sommer auf seinen Schlössern, imWinter in größern Städten. Um die Wohlfahrt der Bauern kümmerten