Weil der Staat viel Geld brauchte und der erste und zweite Standnur wenig an die öffentlichen Lasten beitrugen, geriet die Großzahl derlandwirtschaftlichen Bevölkerung in tiefes Elend. Millionen ländlicherWohnungen hatten keine andere Öffnung als die Thüre, Millionen vonMenschen keine andere Nahrung als Rüben, geronnene Milch und Hafer-brot. Durch Hagelschlag und Überschwemmung wurde die Not der Land-bevölkerung noch größer. Woher sollten die armen Leute Kraft nehmenzur Arbeit, wenn ihnen am Ende des Jahres doch nichts übrig blieb?Ums Jahr 1789 ließ man daher etwa den vierten Teil alles pflüg-baren Landes brach liegen. Ganze Dörfer standen leer. Die Leuteliefen massenhaft davon als Bettler in die Städte, als Wegelagerer andie königlichen Heerstraßen, als Schmuggler und Räuber in die Wälder.
Durch verschiedene Schriftsteller wurde das Volk aufmerksam ge-macht auf seine Menschenrechte und auf die Ungerechtigkeit der Stände-unterschiede; aber erst nach der Schreckenszeit der Revolution bessertesich die Lage des dritten Standes.
15V. Der Tod der Schweizergarde in Paris.
1«. August 17S2.
Nach Herzog und Mignet.
AIeil man in Frankreich den königlichen Hof und die vornehmenStände als die schlimmsten Feinde der gemeinen Wohlfahrt betrachtete,strebten die Volksaufwiegler darnach, die Königsherrschaft völlig zuvernichten. Um dies mit einem Schlage zu erreichen, sammelten sie vonallen Seiten her die wildesten und verworfensten Menschen um sich.Am frühen Morgen des 10. August 1792 erbrach ein tobender Volks-haufe das Zeughaus und verteilte die Waffen darin. Dann rücktendie Aufrührer, 15—20000 Mann stark, aus den Vorstädten langsamgegen die Tuilerien, das königliche Schloß, vor. Dort wurden seiteiniger Zeit der König und die Königin wie Gefangene ängstlich be-wacht. Der Hof war von der drohenden Gefahr benachrichtigt undhatte sich in Verteidigungszustand gesetzt. Im Innern des Schlossesbefanden sich 800 bis 900 Schweizer, die Offiziere der ausgelostenLeibwache und eine Schar Edelleute. Alle waren entschlossen, Gewaltmit Gewalt zurückzuweisen. Der König aber untersagte ihnen den Ge-brauch der Waffen. In den Höfen vor dem königlichen Palast standen