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Schweizerischer Jugendfreund : illustriertes Lesebuch für die Oberstufe der Volksschule
Entstehung
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317
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die Bataillone der Nationalgarde, die Zugänge zu den Tuilerien warenmit Kanonen besetzt. Als aber der König um 5 Uhr morgens diesezur Verteidigung des Schlosses bestimmten Truppen musterte, ließ ihmein Teil derselben ihre Feindseligkeit deutlich merken, was ihn sehrbeängstigte. Mit gewaltigem Geschrei näherten sich die Regimenter derAufständischen, um die Absetzung des Königs zu verlangen. Ein Staats-beamter gab der königlichen Familie den wohlgemeinten Rat, sich soschnell als möglich nach dem Saal der Nationalversammlung zu be-geben. Im Augenblicke der höchsten Gefahr verließ der König dasSchloß. Zwischen zwei Reihen Nationalgarden, die den Befehl hatten,ihn zu geleiten, schritt er durch den Tuileriengarten. Nur mit großerMühe fand er mit seinem Gefolge einen Weg durch die dichten Reiheneiner sehr aufgeregten Menschenmenge, welche Beschimpfungen undDrohungen ausstieß. Als er mit seiner Gemahlin, seiner Schwester undseinen Kindern in den Sitzungssaal eintrat, begrüßte er die National-versammlung mit den Worten:Meine Herren, ich bin hieher gekommen,um Frankreich ein großes Verbrechen zu ersparen, und ich glaubenirgends sicherer zu sein, als in Ihrer Mitte." Die Abgeordnetenempfingen ihn kalt und wiesen ihn und seine Familie in die Logeeines Zeitungsschreibers, wo sie 16 Stunden lang ausharren und zu-hören mußten, wie über des Königs Absetzung und über die Abschaffungdes Königtums verhandelt wurde. Hier vernahm der unglücklicheMonarch das Gewehrfeuer, das sich in dem Kampfe seiner Schweizermit den Aufrührern erhoben hatte. Anfänglich standen sich die Truppengegenüber, ohne einander anzugreifen. Die Schweizer hielten in re-gungsloser Haltung die Fenster des Schlosses besetzt. Man fordertesie mit Schmeicheleien und Schmähungen zur Übergabe auf, und siewarfen zum Zeichen des Friedens Patronen aus den Fenstern. Alsaber die Aufständischen immer ungestümer bis auf die große Schloßtreppeund in den Hausflur vordrangen, da erscholl der verhängnisvolleBefehl:Feuer!" Nun stürzten die dichtgedrängten Angreifer haufen-weise, warfen sich zurück und räumten den Hof in heulender Flucht.Mit einem raschen Ausfall säuberte eine Abteilung der Schweizer denweiten Platz vor dem Schlosse. Sie meinten den Sieg in den Händenzu haben;, da kam eine Botschaft des Königs, der ihnen befahl, dasFeuer einzustellen und sich in den Saal der Nationalversammlung zu-rückzuziehen. Hierauf drangen die erbitterten Volkshaufen mit frischem