Buch 
Schweizerischer Jugendfreund : illustriertes Lesebuch für die Oberstufe der Volksschule
Entstehung
Seite
321
JPEG-Download
 

321

Sogar die Zeitrechnung, weil sie ja an Christi Geburt erinnerte,wollte man nicht mehr in bisheriger Weise fortführen. Die Jahre solltennun von der Einführung der Republik, nämlich vom 21. Sept. 1792an gezählt werden. Die Franzosen hielten es für einen bedeutsamenWink des Himmels, daß ihre Gründung derFreiheit und Gleichheit"auf den Tag fiel, wo die Sonne in das Zeichen der Wage tritt, wodurch die Stellung der Erdkugel Tag- und Nachtgleiche entsteht, aufden Tag, wo beide Pole zugleich von den Sonnenstrahlen beleuchtetwerden. Das Jahr wurde in 12 Monate zu 30 Tagen eingeteilt,jeder Monat in 3 Dekaden, jeder Tag in 10 Teile. Den 12 Monatenfügte man 5 Schalttage hinzu. Die alten Monatsnamen, die Sonn-tage und die Heiligennamen der Wochentage wurden abgeschafft. DasNeujahr fiel auf den 22. September. Dieses republikanischen Kalendersbedienten sich die Franzosen 10 Jahre lang. Mit der Abschaffung desChristentums ging aber der Verfall der menschlichen Bildung Hand inHand. Es offenbarte sich ein merkwürdiger Haß auch gegen die Wissen-schaft und die Anstalten, die in ihrem Dienste standen. Die PariserUniversität und eine Menge höherer Lehranstalten wurden aufgehoben.Die Jugend wuchs in völliger Verwilderung, größtenteils ohne Schul-unterricht auf. Eine besondere Lust fand man am Verbrennen derBücher, wenn sie kostbare Einbände mit Wappen hatten, am Ver-nichten alter Handschriften und am Zerstören schöner Kunstwerke.

Im Jahre 1794 zwang die Regierung das Volk durch ein Ge-setz, wieder an ein höchstes Wesen und an die Unsterblichkeit der Seelezu glauben, weil man dies für das künftige Wohl des Landes fürnotwendig erkannte.

152. Eine wunderbare Errettung.

Illustrierter Hausfreund.

(^s war im Jahre 1792 oder 1793, da wurde eines schönenTages ein großes Faß sorgsam vor Oberlins Pfarrhaus in Walders-bach abgeladen, in den Keller getragen und aufgemacht. Nun rateteinmal, was aus dem Fasse herauskam? Ja, ihr könnet lange raten!Darin war ein junges Mädchen von ungefähr vierzehn Jahren, das,als man den Boden des Fasses aufgebrochen hatte, gar fröhlich heraus-kroch und dem lieben Papa Oberlin mit Thränen der Freude um denHals fiel. Ihr werdet fragen, wie denn das Mädchen in das Faß

Schweiz. Jugendfreund. 21