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Schweizerischer Jugendfreund : illustriertes Lesebuch für die Oberstufe der Volksschule
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324
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Z24

Nun werdet ihr neugierig sein, zu erfahren, warum der Gensdarmdas Mädchen nicht sah. War sie etwa aus dem Zimmer gegangen?Bewahre! Oder hatte sie sich im Zimmer irgendwo versteckt? Wiewäre sie auf den Gedanken gekommen, da sie ja die Gefahr, in dersie stand, gar nicht ahnte! Emilie hatte sich eben die Haare gekämmt,ihre Hände gewaschen und war gerade dabei, dieselben an dem Tuch,das an der Thüre hing, abzutrocknen, als plötzlich Schritte ertöntenund die Thür aufgestoßen wurde. Da sie noch im Unterröckchen warund sich schämte, halb angekleidet gesehen zu werden, blieb sie geducktund mäuschenstill hinter der Thüre stehen, bis dieselbe wieder geschlossenwurde. Auf so natürliche und doch wunderbare Weise rettete Gott aber-mals ihr Leben und half dem lieben Pfarrer Oberlin, ohne daß er seinGewissen mit einer Lüge belastete. Bald darauf wurden der WüterichRobespierre und seine Genossen gestürzt, die Revolutionsgesetze aufge-hoben, und damit war für unsere Familie die Not vorüber. Da siekeine andere Heimat mehr hatte, blieb sie in Oberlins Haus, bis sie ander Hand eines wackeren Mannes einen eigenen Hausstand gründete.

1S3. Das Schloß Boncourt.

Adelbert von Charnisso, Gedichte.

Ach träum' als Kind mich zurückeund schüttle mein greises Haupt;wie sucht ihr mich heim, ihr Bilder,die lang ich vergessen geglaubt?

Hoch ragt aus schatt'gen Gehegenein schimmerndes Schloß hervor;ich kenne die Türme, die Zinnen,die steinerne Brücke, das Thor.

Es schauen vom Wappenschildedie Löwen so traulich mich an;ich grüße die alten Bekanntenund eile den Burghos hinan.

Dort liegt die Sphinx am Brunnen,dort grünt der Feigenbaum,dort, hinter diesen Fenstern,verträumt' ich den ersten Traum.

Ich tret' in die Burgkapelleund suche des Ahnherrn Grab;dort ist's, dort hängt vom Pseilerdas alte Gewafsen herab.

Doch lesen umflort die Augendie Züge der Inschrift nicht,wie hell durch die bunten Scheibendas Licht darüber auch bricht.

So stehst du, o Schloß meiner Väter,mir treu und fest in dem Sinnund bist von der Erde verschwunden,der Pflug geht über dich hin.

Sei fruchtbar, o teurer Boden!

Ich segne dich mild und gerührt,und segn' ihn zwiefach, wer immerden Pflug nun über dich führt.

Ich aber will aus mich raffen,mein Saitenspiel in der Hand,die Weiten der Erde durchschweisenund singen von Land zu Land.