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Schweizerischer Jugendfreund : illustriertes Lesebuch für die Oberstufe der Volksschule
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Kaum aber war sie unter Segel, so brach der Sturm los; der Donnerkrachte, und unaufhörliche Blitze zuckten aus dem schwarzbehängtenHimmel; die entfesselten Winde trieben die Schisse nach allen Rich-tungen auseinander. Schweigend nahm Napoleon seinen Hut und stürztehinaus. Am Ufer fand er eine bestürzte und unthätige Menge. MehrereSchiffe waren an die Küste geworfen worden, und das Jammergeschreider Schiffbrüchigen drang laut und herzzerreißend durch das Toben desSturmes. In diesem Augenblick rief der Kaiser in reumütiger Ver-zweiflung aus:O Brnix! Bruix! was habe ich gethan!" Doch er-mannte er sich schnell und rief mit heftiger Stimme:Ein Boot!geschwind ein Boot!" Keine Bewegung von irgend einer Seite; tiefeStille. Der Kaiser wiederholte den Befehl. Da hörte man einzelneStimmen der Seeleute:Die See ist nicht fahrbar". Voll Unwillenerwiderte Napoleon:Ah! ah! ihr Herren Seeleute, ihr fürchtet dasMeer!" Alsbald ließ er eine Kompagnie seiner Garde anrücken und inein ungewöhnlich großes Boot steigen, das zwölf kräftige Rudererführten.In See! in See!" rief ihnen der Kaiser zu. Die Rudergriffen mächtig in die Wellen, aber das Element war stärker als diemenschliche Kraft. Das Fahrzeug, von den Wogen zurückgetrieben, ver-mochte sich nicht vom Ufer zu entfernen.Sire", sagte der Pilot,dieSee ist nicht fahrbar." Napoleon kehrte ins Lager zurück. Am andernMorgen war die Küste mit Schiffstrümmern und Leichen bedeckt.Als Gefangener auf St. Helena erinnerte sich Napoleon dieserScene und sagte schmerzlich:Armer Bruix! Ja, du hattest Recht,mich zu verwünschen. Wenn alle, die mich umgaben, den nämlichenFreimut bewiesen hätten, wäre ich vielleicht nicht hier. O Bruix!Bruix! der Himmel hat dich gerächt!" Masius. Deutsches Lesebuch.

Der neue Diogenes.

Adelbert von Chumisso, Gedichte.

^^as pressen sich die dichten Massen des Volkes in den engen Raum?

Es fassen, Amiens, deine Straßen das wogende Gedränge kaum.

Der Kaiser naht, der Herr der Welt; hebt Siegeslieder an zu singen!

Er hat der Feinde Macht zerschellt, er naht, den Seinen Heil zu bringen!

Der Freudenrausch, der sich ergossen, er läßt den Einen unberührt;ein Steinmetz ist's, der unverdrossen den Meißel und den Hammer führt:der läßt den Zug vorübergehn und nicht im Tagewerk sich stören,als hab' er Augen nicht, zu sehn, als hab' er Ohren nicht, zu hören.