Dom Roß herab bemerkt von ferne der Kaiser dort den rüst'gen Mann;es reizt ihn, daß er kennen lerne, wer so von ihm sich sondern kann.
Er hat sich ihm genaht, er fragt: „Was schaffst du da?" „Den Stein behalten!"entgegnet der, und wie er's sagt, er kann ihm scharf ins Antlitz schauen.
„Ich sah dich bei den Pyramiden, du schlugst dich gut, du warst Sergeant;wie kam's, daß du den Dienst gemieden, vergessen hier und unbekannt?"
„Ich habe meine Schuldigkeit gethan, o Herr, zu allen Stunden
und ward nach ausgedienter Zeit von Eid und Kriegespflicht entbunden!" —
„Gs thut mir leid, im Heer zu missen, wer brav sich hielt im Kriegeslauf;laß deinen kühnsten Wunsch mich wissen, des Kaisers Gnade sucht dich auf!" —„Ich brauche nichts, die Hände mein genügen noch, mich zu ernähren;laß mich behauen meinen Stein und deiner Gnade nicht begehren."
15«. Schlechter Lohn.
I. P. Hebel, Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes.
^ls nach der Schlacht bei Jena (l806) der Franzos nachBerlin kam, in die Residenzstadt des Königs von Preußen, da wurdeunter anderm viel königliches Eigentum weggenommen und fortgeführtoder verkauft. Denn der Krieg bringt nichts, er holt. Was noch sogut verborgen war, wurde entdeckt und manches davon zur Beute ge-macht, doch nicht alles. Ein großer Vorrat von königlichem Bauholzblieb lange unverraten und unversehrt. Doch kam zuletzt noch ein Spitz-bube von des Königs eigenen Unterthanen, dachte, da ist ein gutesTrinkgeld zu verdienen, und zeigte dem französischen Kommandantenmit schmunzlicher Miene und spitzbübischen Augen an, was für einschönes Quantum von eichenen und tannenen Baumstämmen noch daund da beisammen liege, woraus manch Tausend Gulden zu lösen wäre.Aber der brave Kommandant gab schlechten Dank für die Verrätereiund sagte: „Laßt Ihr die schönen Baumstämme nur liegen, wo sie sind.Man muß dem Feind nicht sein Notwendigstes nehmen. Denn wennEuer König wieder ins Land kommt, so braucht er Holz zu neuenGalgen für so ehrliche Unterthanen, wie Ihr einer seid".
157. Vaterlandsliebe.
Ernst Moritz Arndt.
^in Bauer sollte beim ersten Andringen der Franzosen auf Wien(1809) der Führer einer Truppenkolonne werden, mit der man einenwichtigen Plan durch einen Nachtmarsch auszuführen gedachte; der