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Schweizerischer Jugendfreund : illustriertes Lesebuch für die Oberstufe der Volksschule
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Bauer aber weigerte sich. Heftig drang der den Vortrab der Kolonnebefehligende französische Offizier in ihn; der Bauer aber blieb ruhigbei seiner Weigerung. Der Offizier fing nun an, ihn mit Versprechungenzu bestürmen, und bot ihm endlich seine reichgefüllte Börse mit Geldan, aber alles vergebens. Inzwischen langte die Kolonne selbst an,und der General, welcher sie führte, war sehr erstaunt und erzürnt,den Vortrab noch hier anzutreffen. Der Offizier erzählte, daß dereinzige des Weges kundige Mann sich weigere, ihr Wegweiser zu sein,obschon er alles aufgeboten habe, ihn dazu zu bewegen. Der Bauerward hierauf vorgeführt.Entweder", rief der General,du zeigstuns den rechten Weg, oder ich lasse dich todschießen."Ganz gut",erwiderte der Bauer,so sterbe ich als rechtschaffener Unterthan undbrauche nicht Landesverräter zu werden."

Der General bot ihm erstaunt die Hand und sprach:Gehe heim,wackerer Mann; wir wollen uns schon ohne Führer helfen!"

Berner Lesebuch,

L58. Andreas Hofer.

Julius Musen, Sämtliche Werke, I. Bd. 1SSS.

Au Mantua in Banden

der treue Hofer war,

in Mantua zum Tode

führt ihn der Feinde Schar;

es blutete der Brllder Herz,

ganz Deutschland, ach, in Schmach und

Mit ihm das Land Tirol. fSchmerz!

Die Hände auf dem Rücken,

Andreas Hofer gingmit ruhig festen Schritten,ihm schien der Tod gering;der Tod, den er so manches Malvom Jselderg geschickt ins Thalim heil'gen Land Tirol.

Doch als aus Kerkergittern

im festen Mantua

die treuen Waffenbrüder

die Hand' er strecken sah,

da rief er aus:Gott sei mit euch,

mit dem verral'nen deutschen Reich

und mit dem Land Tirol!"

Dem Tambour will der Wirbelnicht unterm Schlägel vor,als nun Andreas Hoferschritt durch das finstre Thor;Andreas noch in Banden frei,dort stand er fest auf der Bastei,der Mann vom Land Tirol.

Dort soll er niederknieen;er sprach:Das thu' ich nitlWill sterben, wie ich stehe,will sterben, wie ich stritt,so wie ich steh' auf dieser Schanz;es leb' mein guter Kaiser Franz,mit ihm sein Land Tirol!"

Und von der Hand die Bindenimmt ihm der Korporal.

Andreas Hofer betet

allhier zum letzten Mal;

dann ruft er:Nun, so trefft mich recht!

Gebt Feuer! Ach, wie schießt ihr schlecht!

Ade, mein Land Tirol!"