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überwachte hoch zu Pferde die Arbeit. Zuletzt, nachdem ihm das Pferd unterdem Leibe erschossen worden war, stürzte er sich, von feindlichen Kugelnumsonst, in die reißende Düna und schwamm hinüber. Der russische Feld-herr Wittgenstein, von Bewunderung über diese Rückzugskämpfe hin-gerissen, trank auf St. Cyrs Gesundheit und ließ ihm am folgenden Tagedurch einen Parlamentär die Hochachtung vor seiner Haltung und vor-der Tapferkeit der Schweizer bezeugen. Aber nach der Räumung vonPolotzk zählten alle vier Regimenter zusammen nur noch 1300 Mann!
Nun führte General Oudinot die Schweizer nach der Beresina,wo sie, der „großen Armee" wieder den Rückzug deckend, Wunder derTapferkeit verrichteten.
Am Abend der Schlacht an der Beresina, wo die Schweizer wieLöwen zehn Stunden den Angriff eines zehnmal überlegenen Feindesaushielten, zählten die Überreste aller vier Schweizerregimenter beimAppell noch 300, die Verwundeten, ein Drittel der Mannschaft, in-begrifsen. Von der Kompagnie Landolt, welche zu Beginn der Schlachtnoch 2 Offiziere und 51 Mann ausgewiesen hatte, waren alle bis aufeinen, Hartmann von Zürich, verwundet, darunter der Hauptmann selbst.Trotz der schrecklichen Verluste behaupteten die Schweizer mit achtBajonettangriffen ihre Stellung bis zum Anbruch der Nacht; ohneihre Tapferkeit wäre nicht einmal mehr der Übergang der ehemals so großenArmee über die Beresina möglich gewesen. Wie ihre Väter kämpftenund starben sie getreu ihren Eiden und eingedenk der Ehre ihres Vater-landes. Vor dem Beginn der Schlacht, von dem mächtigen Rollen desKanonendonners begleitet, sangen die Offiziere das in ihrer Heimatwohlbekannte Lied: „Unser Leben gleicht der Reise eines Wandrersin der Nacht!" Es war ein Abschied von den Lieben zu Hause, welchevon den heldenhaften Kämpfern nur wenige wieder sahen.
Und Napoleon, wie dachte er über seine Schlachtopfer? WenigeMonate vor seiner großen Niederlage bei Leipzig rief er in einerUnterredung mit dem österreichischen Staatsmann Fürst von Metternichaus: „Ich bin aus den Schlachtfeldern groß geworden, und ein Mannwie ich kümmert sich um das Leben einer Million Menschen wenig ....Um aber die Franzosen zu schonen, habe ich die Deutschen und diePolen aufgeopfert. Ich habe im russischen Feldzug 300000Mann verloren, aber unter ihrer Zahl waren nichtmehr als 30000 Franzosen".