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Schweizerischer Jugendfreund : illustriertes Lesebuch für die Oberstufe der Volksschule
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Frost und unsägliches Elend zu Schreckensgestalten geworden. Entsetzlichwaren die Leiden, welche sie mit sich brachten; die Kälte in ihrenLeibern sei nicht fortzubringen, ihr Hunger sei nicht zu stillen, behauptetedas Volk. Wurden sie in ein warmes Zimmer geführt, so drängtensie mit Gewalt an den heißen Ofen, crls wollten sie hineinkriechen;vergebens bemühten sich mitleidige Hausfrauen, sie von der verderblichenGlut zurückzuhalten. Gierig verschlangen sie das trockene Brot; einzelnevermochten nicht aufzuhören, bis sie starben. Bis nach der Schlachtbei Leipzig lebte im Volke der Glaube, daß sie vom Himmel mit ewigemHunger gestraft seien. Noch dort geschah es, daß Gefangene in derNähe ihres Lazaretts sich die Stücke toter Pferde brieten, obgleich siebereits regelmäßige Lazarettkost erhielten; noch damals behaupteten dieBürger, das sei ein Hunger von Gott; einst hätten sie die schönstenWeizengarben ins Lagerfeuer geworfen, hätten gutes Brot ausgehöhlt,verunreinigt und auf dem Boden gekollert; jetzt seien sie verdammt,durch keine Menschenkost gesättigt zu werden.

Überall in den Städten der Heerstraße wurden für die Heim-kehrenden Lazarette eingerichtet, und sogleich waren alle Krankenstubenüberfüllt, giftige Fieber verzehrten dort die letzte Lebenskraft der Un-glücklichen. Ungezählt sind die Leichen, welche herausgetragen wurden;auch der Bürger mußte sich hüten, daß die Ansteckung nicht in seinHaus drang. Wer von den Fremden vermochte, schlich deshalb nachnotdürftiger Ruhe müde und hoffnungslos der Heimat zu. Die Bubenauf der Straße aber sangen:

„Ritter ohne Schwert. Reiter ohne Pferd.

Flüchtling ohne Schuh, nirgends Rast und Ruh —

so hat sie Gott geschlagen mit Mann und Roß und Wagen!"

Und hinter den Flüchtlingen gellte der höhnende Ruf: „Die Kosakensind da!" Dann kam in die flüchtige Masse eine Bewegung desSchreckens, und schneller wankten sie zum Thore hinaus.

162 . Preuftcns Erhebung.

Nach I. C- Nndrä, Erzählungen aus der Weltgeschichte.

^ach dem Untergänge von Napoleons großer Armee schien fürdie unterdrückten Völker die Stunde der Befreiung gekommen zu sein.Besonders die von Napoleon aufs härteste mißhandelten Preußen glühtenvor Verlangen, das verhaßte Joch der Franzosenherrschaft abzuwerfen.

Schweiz. Jugendfreund. 22