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Schweizerischer Jugendfreund : illustriertes Lesebuch für die Oberstufe der Volksschule
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376
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Einsiedlern den Etzel schirmen mag, so sind wir Sieger. Alle Einsiedlerwerden, wie ich, jenen Grenzposten bis zum letzten Blutstropfen verfechten."

Der entscheidende Tag, der 2. Mai, erschien. An der Schind ei-le gi stand Reding im Kreise seines Kriegsvolkes, das schweigend andie Gewehre lehnte und an dem begeisterten Munde seines Führershing.Unser Los ist der Tod", sagte er zuletzt;aber ich gelobe, euchin keiner Gefahr zu verlassen". Alle waren bewegt und ein tausend-stimmiger Ruf erscholl:Wir verlassen Euch auch nicht". Als daraufin der Frühe des Morgens die Franzosen die Berghänge Heranstiegen,entspann sich ein mörderischer Kampf. Der Donner des Geschützes rolltedurch die Gebirge; aus ihren Verstecken entsandten die schwyzerischenScharfschützen hundertfältigen Tod. Da kam vorn Etzel her dieSchreckensbotschaft, daß dieser Paß verloren und von den Feinden ge-nommen sei. Schon Morgens 8 Uhr sei der Pfarrer Herzog gekommenund habe gesagt:Ihr lieben, guten Leute, ich halte es für's beste, daßihr nach Hause gehet und die Waffen niederleget. Das Wehren hilftuns hier doch nichts, weil man an den übrigen Posten auch nicht zuwiderstehen gedenkt." Alois Reding mußte sich nun, um nicht von denFeinden abgeschnitten zu werden, von der Schindellegi nach Rothen-turm zurückziehen. Die Franzosen drangen nach und bedrohten auchdie Seite bei Morgarten. Jetzt galt's einen ganz entscheidenden Kampf.Reding verband sich mit den Seinen durch einen feierlichen Eid:Wirfliehen nie, wir sterben!" Er ließ die Feinde über die Höhen herab indie Ebene kommen, dann gab er das Zeichen zum Angriff. In eng-geschlossener Ordnung durchmaßen die Schwyzer mit unbeschreiblicherKampfbegier die 800 Schritt breite Ebene trotz des Tod und Verderbenspeienden feindlichen Geschützes. Nach einem viertelstündigen Gemetzelflohen die Franzosen. Hierauf ging's nach dem nahen Morgarten,wo der Kampf schon lange begonnen hatte.Machen wir's kurz, nehmenwir sie unter die Kolben!" riefen die Schwyzer, brachen in die Feindeund schlugen sie zurück; noch zweimal stellten sich die Weichenden, dochumsonst, sie wurden vollständig zurückgedrängt. Die Schwyzer hattenglänzend gesiegt und die alte Tapferkeit bewährt. Aber sie waren er-schöpft, nnd auf die Dauer konnten sie den immer mit neuen Truppenherankommenden Feinden doch nicht standhalten. Sie entschlossen sichzu einem ehrenvollen Frieden. Die Franzosen verzichteten auf Kriegs-gelder und verließen das Land; dafür nahmen die Schwyzer die neue