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Schweizerischer Jugendfreund : illustriertes Lesebuch für die Oberstufe der Volksschule
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und schenkt ihnen ein, reicht ihnen zugleich Brot und bietet ihnensogar noch Geld an, welch letzteres sie aber ablehnen. Sehr befriedigtdurch Lavaters freundliche Zuvorkommenheit, klopft der eine der Sol-daten, ein Grenadier, ihm auf die Schulter und entläßt ihn mit denWorten: „Dank, braver, guter Mann! Adieu, Bruderherz!"

Als hierauf Lavater in sein Haus zurücktreten will, kommt in-zwischen ein anderer Soldat zu ihm und fordert von ihm ein Hemd.Statt dessen reicht ihm Lavater einiges Geld. Der Soldat aber siehtes verächtlich an und fordert mehr. Lavater giebt ihm, allein derSoldat, noch nicht zufrieden damit, fordert von neuem mehr und immermehr. Endlich verweist ihn Lavater mit den Worten zur Ruhe: „Dasist keine Manier, geht jetzt in Gottes Namen Euern Weg und laßtmich in Frieden!" Da zieht der Soldat wütend den Säbel und schreitihm unter wilden Drohungen entgegen: „Geld her!" Lavater nimmtseine Zuflucht zu dem Grenadier, der ihm kurz zuvor für den Weinund das Brot so freundlich gedankt hatte, und nur wenige Schrittevon ihm entfernt mit einigen Züricher Bürgern sich unterhält, und bittetihn um Schutz gegen den zudringlichen Kameraden. Doch wie voneiner satanischen Wut ergriffen, setzt ihm der Grenadier das Bajonettauf die Brust und schreit nun noch grimmiger als der vorige: „Geldher!" Heinrich Hegetschweiler, Diener bei der Almosenpflege, springthinzu, umschlingt Lavater mit seinen Armen und will ihn zurückziehen.Aber in demselben Augenblicke feuert schon der Grenadier sein Gewehrab. Die Kugel geht dem treuen Bürger durch den rechten Arm undLavater unmittelbar unter der Brust durch den Unterleib. Ohnmächtigsinkt Lavater in Hegetschweilers Arme. Man führt ihn nach dem Hauseeines Nachbars. Der Grenadier aber, noch nicht zufrieden damit, ladet» eiligst aufs neue sein Gewehr und zielt abermals nach Lavater. Eineunsichtbare Hand hält ihn jedoch von dem Losdrücken zurück. Er ver-schwindet darauf unter der Menge. Ärzte und Wundärzte eilen herbeiund verbinden den Verwundeten, der bereits nach dem großen Blut-verluste völlig erschöpft geworden ist. Auch die lieben Angehörigen undFreunde kommen herbei. Herzergreifend ist der Anblick, die treue Gattinschluchzend neben dem unerschrockenen Wahrheitszeugen und feurigenMenschenfreund knieen zu sehen, der jetzt in seinem Blute und mitTodesblässe in seinen Gesichtszügen daliegt. Doch die Hoffnung der Ärzte,daß die Wunde keine edlern Teile berühre, ließ bald wieder einen Licht-