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ihre letzte Kuh hergeben oder schlachten mußten. Der Mangel wurdeso groß, daß selbst die Soldaten rohe Erdapfel und unreifes Obst ver-schlangen. Verzweiflung ergriff manche Eltern, als sie ihren Kindernstatt Milch und Brot nicht einmal mehr Kartoffeln geben konnten.
Des erbarmten sich die andern Kantone, die vom Unglück wenigerheimgesucht worden waren, und erklärten sich bereit, die unglücklichenKinder aufzunehmen. Vom 10. Januar bis zum 26. März 1800kamen 1115 Glarnerkinder, mit einigen Hunderten aus den benach-barten Landschaften und von Appenzell vermehrt, nach Zürich. Vielewurden hier von mitleidigen Leuten aufgenommen; die andern zogenweiter, in den Aargau, nach Basel, Solothurn, Bern, Viel, Murtenund bis in die Waadt hinein. Wenn so eine Schar armer Kinder inelendem Gewände auf der Straße oder auf dem Marktplatze stand,so kamen die gutherzigen Einwohner und nahmen hier eines und dorteines an die Hand und mit nach Hause, und allmählich sich ver-mindernd zogen die übrigen weiter, bis alle versorgt waren.
Leider mußten manche Wohlthäter von verwahrlosten und ver-dorbenen Kindern viel Verdruß und schnöden Undank erfahren; diemeisten aber waren, wenn einmal das Heimweh überwunden war, frohüber die liebreiche Aufnahme, fügten sich der guten Zucht, wuchsen zutüchtigen und brauchbaren Menschen heran und gedachten ihrer Wohl-thäter ihr Leben lang in herzlicher Dankbarkeit.
18 ». W. Heinrich Dufour. 1787—1875.
Nach H. Rüegg. Bilder aus der Schweizer-Geschichte, und H. Dufour, Der Sonderbundskrieg.
(^1s im Jahr 1782 die Regierung der Stadt Genf fremdeTruppen herbeirief, um sich gegen die Bürger, welche eine Mehrungder Volksfreiheit verlangten, zu schützen, da wanderten 900 dieser Frei-heitsfreunde nach Konstanz aus, wo ihnen Kaiser Joseph II. ein auf-gehobenes Kloster zur Einrichtung einer Uhrenfabrik angeboten hatte.Unter diesen Flüchtlingen war auch Benedikt Dufour, ein jungerUhrenmacher, ausgezeichnet durch eisernen Fleiß und die Einfachheitseiner Sitten, einer der angesehensten Männer und feurigsten Patrioten.Hier in Konstanz wurde ihm 1787 sein Sohn Wilhelm Heinrichgeboren; drei Jahre später konnten die Ausgewanderten nach Genszurückkehren.