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schlägt die schwerste Stunde meines Lebens! Wer soll zuerst hinaufgehen?Ich muß gehen. Ich gehe in Gottes Namen, und soll's mein armes Lebenkosten. Laß fahren dahin! Ich nehme mein kleinstes Kind auf den Arni(fürwahr ein guter Schutzengel) und schreite rasch die Treppe aufwärts,die Gräfin von Dürckheim unmittelbar hinter mir. Die andern kommennach. Ich trete vor, leichenblaß, aber doch getrost, und vor mir stehtein junger deutscher Soldat, umgeben von andern deutschen Kriegern.Er ist in einem schreckenerregenden Zustande, schäumend, wütend, dieKleider vom Leibe gerissen. Er hält mir den Revolver vor die Brustund herrscht mich an: „Aus diesem Hause ist geschossen worden!" —Ich hatte ein gut Gewissen auch für die andern und antwortete ruhig:„Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, aus diesem Hause ist nicht geschossenworden". — „Wer sind Sie?" — „Ich bin der Pfarrer dieser Ge-meinde, und diese Dame ist die Gemahlin des Grafen von Dürckheim.Die andern sind Glieder unserer Familien." — „Sie sagen, Sie seiender Pfarrer dieser Gemeinde, ist möglich; aber ich muß Sie vorläufigverhaften, dann werden wir weiter sehen." „Nun, Frau Gräfin",wandte er sich zu dieser mit verbissenem Zorn, „Sie sehen, wie es mirim Kampf ergangen ist; geben Sie mir 'mal schnell einige FlaschenWein und ein Paar stramme Hosen! Sie werden ja doch wohl vonIhrem Herrn Gemahl oder Ihren Herren Söhnen so ein Paar dunklestramme Hosen haben. Wein her für meine Mannschaften!" Ich standda gefangen und schwieg.
Plötzlich schreit er mit Donnerstimme: „Sind Franzosen hier?"Ich fühle es heute noch; in diesem Augenblicke heben sich die Haareaus meinem Kopse; ich möchte vor Schrecken zusammenbrechen. Wassoll ich sagen? Es liegen ja zwei bewaffnete Franzosen im Keller!Sag' ich's ihm? Dann werden wir alle niedergemacht; sag' ich's nicht,so muß ich lügen. Ich bleibe ruhig, schaue ihm fest ins Auge und sage:„Mein Herr, wenn Franzosen hier sind, so kann ich nichts dafür!" —Er nimmt die Antwort hin, sucht nicht weiter, trinkt wacker drauf los,wird etwas ruhiger und — was ich jeden Augenblick aufs neue fürchte,— steigt nicht hinab in den Keller, wo die armen Franzosen bleiben,bis sie den andern Morgen als Krankenpfleger, mit dem roten Kreuzversehen, wieder zum Vorschein kommen. — Wir sind noch immer Ge-fangene; aber wir sehen doch bald, daß unser Gebieter kein Unmenschist. Nachdem er sich mit seiner Mannschaft erquickt und die „strammen"Hosen in Empfang genommen hat, macht er das Thor auf, läßt michfortgehen mit meiner Familie, und unter Dank und Freude schreiten wirhinaus ins Freie. O Luft und Licht und Leben! mir kommt es vorwie ein seliges Entrinnen aus fünfstündiger Hölle. Und die andern sindden ganzen Tag darin gelegen! Aber im Schloßhof, dieses Getöse!Nichts als Himmel und Soldaten! Und mitten drin der große prächtigeGeneralstab! Man kann sich denken, was wir alle für Gesichter machten.