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Ein ergrauter, stattlicher Krieger, der unsere Angst wohl bemerkt hat,spricht mit lauter Stimme, aber doch in sanftem Tone: „Gehen Sienur ruhig nach Hause! Wir thun Ihnen nichts zuleide."
Ach, wie ganz anders sieht es jetzt hier oben aus! Wie ist dasfreundliche Dörflein eine Stätte des Jammers und der Verwüstung ge-worden! Da liegen zwei Häuser in, Trümmern, weiter unten brennteine ganze Reihe von Scheunen! Alle Dächer sind zerschlagen, alleLäden und Fenster zerschossen; überall zertrümmerte Wagen, tote Pferde,blutige Leichen. Man sieht, der Kampf hat bis ins Dorf herein ge-wütet. Wenn wir nur durchs Getümmel könnten! Diese Truppenmassen!wir konnten nicht durch. Da stehen wir mit unsern Kindern wie einHäuflein heimatloser Exulanten, und die stürmen vorbei und schreienHurra! Viktoria! daß die Erde bebt. Da kommt der Schullehrer atem-los, außer sich vor Schrecken: „Herr Pfarrer, die Kirche brennt!"Wahrhaftig der Kirchhof steht in Flammen! Allmächtiger Gott, ist'sdenn möglich? Die Kirche brennt und ist oben und unten voll von Ver-wundeten! Sie brennt ganz oben in der Spitze! „O helfet unsereKirche löschen! Mit einigen Eimern Wasser könnten wir sie retten!" —Ein General sprach kurz und milde: „Das ist nicht möglich, mir müssendem Feinde nach, lasset sie in Gottes Namen brennen, wir bauen siewieder aus!" — Was anfangen? Wir können der Feuersbrunst nichtwehren; wir haben kein Wasser nnd keine Hilfe. Wir müssen das Gottes-haus der Verwüstung preisgeben, herzzerreißend lodert die feurige Sieges-flamme gen Himmel. Endlich aelangen wir, an allen Gliedern bebend,wieder ans Pfarrhaus. Ich zähle die Häupter meiner Lieben, und sieh,es fehlt kein teures Haupt!
Die Plünderung.
Es war halb sechs Uhr, als wir den Pfarrhof erreicht hatten. Dulieber Gott! was war alles zwischen unserem Weggehen und Wieder-kommen vorgefallen! Frankreich aufs Haupt geschlagen, unsere Heimatein Schauplatz der Verwüstung: wir mußten alle bitterlich weinen. DieHausthür war aufgesprengt, doch merkten wir keine Spur von Verheerung.Wir durchsuchten die Räume: überall alles in Ordnung; auch die dunkle,feuchte Küchenkammer; doch hier regte sich etwas in der Finsternis.„Wer ist da?" Ein langes, dumpfes Stöhnen war die Antwort. Wirmachten die Läden und Fenster auf; sechs Turkos lagen zusammen-gekauert auf einer Bütte voll nasser Wäsche. Ihr Anblick war herzzer-reißend. Sie waren alle schwer verwundet; dem einen war die Kugeldurch die Brust gefahren, dem andern durch den Unterleib; dem dritten,einem großen Neger, waren beide Augen und der obere Teil der Naseaus dem Kopfe geschossen. Ach wie kläglich, wie schmerzreich lagen dieseSchlachtopfer da in ihrem Blute! Wie krümmte sich ihr verstümmelterLeib unter furchtbaren Wehen! Wie zitterten und bebten sie an allen