irgendwie einem Heere dienen kann, wurde unbarmherzig fortgenommen.Und wehe dem, der in solchen Augenblicken den entbrannten Leidenschaftendes Menschen Widerstand leisten wollte. Wir hatten um sechs Uhr anNahrungsvorräten nichts mehr, als die Milch von unsern zwei Kühen.Nun, wenn die uns bleiben, so werden wir nicht verhungern. Wennnur die Kleinen heute nacht und morgen noch satt werden, wir Altenkönnen schon warten. Bis hieher hat Gott geholfen durch seine großeGüte. — Überdem tritt ein Offizier mit einer Abteilung Soldaten inden Hof herein, schreitet rasch dem Hinterhofe zu, und in einem Augen-blick sind beide Kühe losgebunden, um ins Lager abgeführt zu werden.Ein Schrei des Entsetzens erhebt sich im ganzen Hofe. Ich eile hinausund wage ganz ruhig ein Wort an den Offizier. „Herr Lieutenant,ich habe jetzt nichts mehr als diese vier kleinen Kinder und zwei Augenzum Weinen. Wenn es Ihnen möglich ist, haben Sie Erbarmen, lassenSie mir nur eine von den zwei Kühen, daß ich diese Würmlein heuteabend noch einmal sättigen kann." Sichtbar ergriffen erwidert derfremde Krieger: „Herr Pfarrer, glauben Sie mir, es thut mir leid, ichfühle mit Ihnen, aber ich kann nicht anders, ich muß sie haben." —„Nun, wenn Sie sie haben müssen, kann ich mich dieses letzten Opfersnicht weigern; nehmen Sie's hin in Gottes Namen." — Die Soldatenwollten fort. Der Offizier giebt einen Wink. „Nein, wir nehmen nureine"; und zu mir sich wendend: „Welche wollen Sie behalten?" —„Diese da!" — „Kinder, führt die Kuh wieder in den Stall." UnterLoben und Danken trat ich wieder ins Haus.
Wie uns, so erging es ohne Ausnahme allen Einwohnern im Dorfe.Überall brachen die durstigen, wütenden Gesellen Hausenweise in die Ge-höfte hinein, drangen, gleichviel bei offenen oder verschlossenen Thüren,stracks in die Keller. Und die armen Bäuerlein standen dabei und sahenzu und niußten alles kosten, und manchem ist wohl der Ingrimm unddas Herzeleid bis an die Seele gestiegen. Aber was machen? Wer sichgeduldig in sein Schicksal fügte, dem wurde kein Haar gekrümmt; wersich halsstarrig stellte, der wurde mit Gewalt gebändigt. Und so warendenn in einem Nu alle Keller gründlich ausgeleert, alle Fässer, großund klein, auf den Kopf gestellt, und ich glaube nicht, daß es zweienoder dreien gelungen ist, einen Tropfen für den kommenden Durst zubewahren. Aus den Kellern und Kammern ging's dann in die Ställe,in die Scheunen. An zweihundert Stück Rindvieh, fast alle Schweine,Hühner, Gänse, Schafe wurden niedergemacht oder fortgeschleppt. AuchHeu und Stroh, leider auch ungedroschcnes Getreide, wurde massenhaftaufgeladen und von dannen geführt.
Der Triumphzug und der Thränenzug.
Während das alles geschah und das siegreiche Heer teils in ge-schlossenen Kolonnen vorüberflutete, teils in aufgelösten Haufen das er-