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Schweizerischer Jugendfreund : illustriertes Lesebuch für die Oberstufe der Volksschule
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wollt Soldaten sein und eure Zelte verlassen, wenn es regnet? DazuHat sie ja der Soldat gerade; und wenn ihr nicht im Regen in eurenZelten bleibet, werdet ihr euer Lebenlang keine guten Soldaten werden."So mußten sie wider Willen eine Zeit lang unter den Leintüchern aus-halten, und erst, als der Regen M heftig strömte, wurde ihnen ge-stattet, ihr Lager zu verlassen; aber die Überzüge und Decken warenso durchnäßt, daß sie während der nächsten Nacht ohne dieselben schlafenmußten. Das war eine bessere und wirksamere Predigt als die derguten Hausmutter.

Etwas Ähnliches mußte ein allzu eifriger Peitschenknaller erfahren.Die hohe Mauer des Pfarrhauses zu Münchingen, an der die Straßevorüberführte, sowie der geschlossene Raum zwischen derselben und dengegenüberliegenden Häusern gewährte dem Geißelklatschen der Fuhrleuteeinen besonderen Widerhall, so daß sie an dieser Stelle hauptsächlichsich in ihrer Kunst übten. Dem alten Flattich mochte diese Art vonmusikalischer Unterhaltung zuweilen auch lästig sein. Er wußte aberwohl, daß ein dagegen eifernder Pfarrer das Übel nur ärger mache.Er war daher auf ein anderes Mittel bedacht. Einst traf er geradean dieser Stelle der Straße mit einem jungen Burschen zusammen,der seine Geißel nach Herzenslust handhabte. Diesen redete Flattichnun an: „Aber du kannst schön knallen, da möchte ich einmal auchgenug hören. Weißt du was, ich gebe dir einen Sechsbätzner, wenndu mit deiner Geißel in meinen Hof hereinkommst, wo es noch schönerhallt, und mir da fortknallst, bis ich sage, es sei genug." — Den Bur-schen reizte das Trinkgeld, wie auch das Lob seiner Kunst. Er kamin den Hof, und Flattich hörte vom offenen Fenster aus, ihn beständigermunternd, seinem Takt-Knallen zu; aber das Wörtchen „genug"wollte gar noch nicht erfolgen, obgleich schon mehr als eine Stundeverflossen war. Endlich konnte der junge Mensch kaum seinen Armmehr rühren und mußte selbst um seine Freilassung bitten. Er empfingrichtig seinen Sechsbätzner, merkte aber erst an dem spöttischen Lächelnder durch sein fortgesetztes Knallen herbeigelockten Dorfjugend, daß erungeachtet seines Gewinns doch der beschämte Teil sei. Von nun anist er, wie auch die andern, ganz still am Pfarrhause vorübergefahren.

Nicht minder geschickt wußte Flattich auch Erwachsenen gelegent-lich eine Lektion zu geben, die sie nicht so leicht wieder vergaßen. Ein-mal wollte er einen Hausbesuch machen und war schon im Begriff, an