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gefunden und mir die dreißig Thaler geschenkt." Geliert winkte, daßsie schweigen sollte; die Frau aber sagte: „Winken sie nur; ich mußes sagen, sonst drückt's mir das Herz ab." Neidhardt wurde rot bisüber die Ohren. Aber auf einmal nimmt er sich zusammen, giebt derFrau die dreißig Thaler, streicht am Pult einen Posten durch undspricht: „Frau, Eure Schuld ist bezahlt, kaufet Brot und Pfleget EurenKranken". Und zu Gellert sprach er: „Vortrefflicher Herr, Siekönnen nicht nur schön schreiben, sondern auch schön handeln. Wirwollen zusammen zu der armen Familie gehen." Gesagt, gethan. Undins elende Stüblein schien ein Sonnenblick göttlicher und menschlicherHülfe, und des Schuhmachers Gebet wurde über Bitten und Verstehenerhört; denn Neidhardt that der Haushaltung von dem Tage anviel Gutes.
II. Der kleine, dicke Doktor hatte sich beim Weggehen noch GellertsHolzvorrat zeigen lassen und dazu den Kopf geschüttelt, dennoch aberbefohlen, man solle dem kranken Herrn recht tüchtig einheizen. Jetztwollte er heim und seiner Frau das neue Lied Gellerts bringen; aberwie er um die Ecke biegt, redet ihn eine arme Frau an: „Herr Doktor,kommen sie doch zu meinem Manne. Der Herr Professor Gellert undder Herr Neidhardt haben es gesagt." „Schon wieder Gellert," brummteder Doktor. „Kennt Ihr den, Frau?" „Ja," antwortete die Frau,und Mund und Herz gingen ihr auf. Und der Doktor rief: „Aha, daist das Geld hingekommen, darum friert er!" Der Frau fällt's zentner-schwer aufs Herz, daß der liebe Herr um ihretwillen Mangel habensoll. Der Doktor aber sagte: „Ja, habt nur keinen Kummer! Soeinen verläßt der liebe Gott nicht."
Der Doktor verschreibt etwas und eilt jetzt nach Hause. Da stehtein Bursche mit einem ledigen, gesattelten Pferde. „Was giebt's?"fragte der Doktor. „Der Schultheiß von Wachau läßt Euch um Gotteswillen bitten, gleich hinauszukommen; seine Frau ist gefährlich erkrankt."Der Doktor schwingt sich auf das ledige Pferd und trabt davon. Eswar fast nicht durchzukommen. Preußisches Militär nahm die Straßeein. Endlich kommen sie vor des Schultheißen Haus, und der Doktorgeht an seine Pflicht. Als die Gefahr vorüber ist, muß er Platz an derTafel nehmen, wo eben preußische Offiziere bei der Mahlzeit sitzen;denn der Schultheiß hatte auch eine Wirtschaft. Der Doktor hatte großen