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Hunger und hieb tapfer drein. Als der Grund ein wenig gelegt war,sagte der vornehmste der Offiziere: „Herr Doktor, Sie sind wohl vonLeipzig?" „Zu dienen," antwortete der Doktor und schnitt noch einStück Bratwurst ab. „Kennen sie auch den Professor und DichterGeliert?" Jetzt legte der Doktor Messer und Gabel hin und erwiderte:„Ich bin sein Arzt und sein Freund". „So; man hat mir gesagt, ersei kränklich." „Das ist er leider; sollte eben mehr Bewegung haben;habe ihm diesen Morgen gesagt, er sollte sich einen Klepper kaufen."„Und das wird er doch thun?" „Ja," sagte lächelnd der Doktor, „dasWollen wäre schon da; aber beim Vollbringen hapert's," — und dabeirieb er den Zeigfinger am Daumen. „Ist Gellert arm?" fragte derOffizier teilnehmend. „Arm wie eine Kirchenmaus." Und nun erzählteder Doktor alles, was er wußte, namentlich von Neidhardt und vomarmen Schuster. Der Offizier schlug die Hände zusammen, indem errief: „Und so ein herrlicher Mann kann kein Holz und kein Pferdkaufen! Aber, Herr Doktor, lassen Sie mich doch Gellerts Handschriftund sein neues Lied sehen, von dem Sie sprachen," und der Offizier las:
Ich hab' in guten Stundendes Lebens Glück empfundenund Freuden ohne Zahl.
So will ich denn gelassenmich auch im Leiden fassen;welch' Leben hat nicht seine Qual?
Ja, Herr, ich bin ein Sünder,nnd stets strafst du gelinder,als es der Mensch verdient.
Will ich beschwert mit Schulden,
kein zeitlich Weh erdulden,
das doch zu meinem Besten dient?
Dir will ich mich ergeben,nicht meine Ruh', mein Lebenmehr lieben als den Herrn;dir, Gott, will ich vertrauenund nicht auf Menschen bauen;du hilfst und du errettest gern!
Laß du mich Gnade finden,mich alle meine Sündenerkennen und bereun!
Jetzt hat mein Geist noch Kräfte,sein Heil laß mein Geschäfte,dein Wort mir Trost und Leben sein.
Wenn ich in Christo sterbe,bin ich des Himmels Erbe;was schreckt mich Grab und Tod?Auch auf des Todes Pfadevertrau' ich deiner Gnade;du, Herr, bist bei mir in der Not.
Ich will dem Kummer wehren,Gott durch Geduld verehren,im Glauben zu ihm flehn:ich will den Tod bedenken,der Herr wird alles lenken,und was mir gut ist, wird geschehn.
Alle Tischgenossen waren tief gerührt, und bei dem Schultheißender eben erst Schweres durchgemacht, schlug eine Thräne die andere.Der Offizier aber bat den Doktor um die Erlaubnis, eine Abschrift vondem herrlichen Liede nehmen zu dürfen, und rief seinem Adjutanten zu: