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Schweizerischer Jugendfreund : illustriertes Lesebuch für die Oberstufe der Volksschule
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517
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Während er so grübelte, klopft man.Herein!" und es tritt ein preußischerStabsoffizier herein und meldet, daß seine königliche Hoheit, PrinzHeinrich von Preußen, der seit gestern in Leipzig sei, anfrage, wanner den Herrn Professor besuchen könne.Mich besuchen, mich? DerPrinz von Preußen mich besuchen? Das muß ein Irrtum sein. SagenSie Ihrem Herrn, daß ich es mir zur hohen Ehre anrechnen werde,ihm meine Aufwartung zu machen. Bin ich auch krank, so bin ich dochnicht bettlägerig." Der Offizier erwiderte:Allerdings, Herr Professor,wollte seine königliche Hoheit Sie besuchen; denn er achtet Sie sehrhoch. Wollen Sie sich aber zu ihm bemühen, so freue ich mich, Siebegleiten zu dürfen."

Geliert zog schnell sein bestes Kleid an, und nun ging's zum Prinzen.Der hohe Herr reichte dem Professor sehr freundlich die Hand und sagte:Ich freue mich ungemein, den Dichter des Liedes: ,Jch hab' in gutenStunden', vor mir zu sehen." Wieder wußte Geliert nicht, ob's mitrechten Dingen zugehe, daß der Prinz ebenfalls von diesem Liede sprach,getraute sich aber nicht, der Sache genauer nachzufragen.Man hatmir gesagt," fuhr der Prinz fort,daß Sie unwohl seien. Sie sitzenwahrscheinlich zu viel, sehen auch nicht gesund aus."Mein Berufmacht das Studieren und Sitzen notwendig," erwiderte Geliert.Magsein; aber Sie müssen sich und dem deutschen Volke Ihr Leben zu er-halten suchen, sich mehr Bewegung machen. Sollten ein Pferd haltenund täglich ausreiten!"Wohl wahr, königliche Hoheit, mein Arzt rätmir's auch an; aber nicht jeder hat die Mittel dazu."Wohl wahr,Herr Professor, besonders wenn man die letzten dreißig Thaler auf ein-mal einer armen Haushaltung spendet." Gellert senkte die Augen undwurde schamrot. Der Prinz sah das, ergriff Gellerts Hand und sagte:Edler Mann, es sei ferne von mir, das tadeln zu wollen, was Ihneneinen Gotteslohn bringen muß. Erlauben Sie mir, Ihnen ein Pferdzu verehren, dessen fromme Art es zu einem Reitpferde für einen Manndes Friedens geeignet macht." Gellert wollte danken, aber die Wortestockten. Der Prinz selbst war tief bewegt und sagte:Ein Geschäftruft mich jetzt ab. Leben Sie wohl, teurer Mann!"

Gellert brauchte Zeit, sich zu sammeln. Als er zu seiner Haus-thür kam, hieben die Holzspalter drauf los, und es stand ein wunder-schönes Roß mit prächtigem Sattel und stattlich gezäumt vor derselben,und seine Hauswirtin rief ihm zu:Herr Professor, es geschehen