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Schweizerischer Jugendfreund : illustriertes Lesebuch für die Oberstufe der Volksschule
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Wunder und Zeichen. Geliert aber dichtete aus dankerfülltem Herzendas Lied:

Wie groß ist des Allmächt'gen Güte!

Ist der ein Mensch, den sie nicht rührt? u. s. w.

(Kirchengesangbuch Nr. 16 .)

Am Abend kam der Doktor. Da gab nun ein Wort das andere,und der kleine, dicke Mann wollte fast zerspringen vor Lachen undHerzensfreude, und endlich rief er, indem er Hut und Stock nahm:Diesmal hat Gott der Herr selbst die rechten Rezepte verschrieben undgleich dafür gesorgt, daß die rechten Apotheker sie machen mußten."

241. Christ. Fürchtegott Gellert an seine Schwester.

C. F. Gellerts sämtliche Schriften.

Leipzig, 9. Juli 1758.

Liebe Schwester!

^ie Nachricht von Eures Sohnes Krankheit hat mich sehr be-unruhigt, so wie mich seine Besserung erfreut. Ich wünsche, daß erzu der Zeit, da Ihr dieses leset, vollkommen wiederhergestellt und derZustand der lieben Mama und Euer aller der beste sein möge. Gottgebe es! Die liebe Mama soll sich ja nichts abgehen lassen.

Aus London habe ich von einem Vater, dessen Sohn vor dreiJahren hier studiert hat und an mich empfohlen gewesen und nunmehrvon Reisen wieder zurückgekommen ist, einen Wechsel von hundertThalern zur Belohnung erhalten. Gott sei dafür gedankt! Also kannich der lieben Mama aushelfen, wenn auch ihre Pension in diesemJahre nicht käme.

Wisset Ihr ein paar Kinder in Hainichen oder auf den Dörfern,welche von den Eltern oderMnverwandten nicht zur Schule gehaltenwerden, so meldet mir, was jährlichZdas Schulgeld füMwei Kinderbeträgt; ich will es allezeit auf einHalbes Jahr vorausschicken undauch die Schulbücher auf mich nehmen.

Ich habe unlängst eine kleine Verordnung aufgesetzt, wie es nachmeinem Tode mit meinen Möbeln und Büchern gehalten werden soll.Ich habe keine Schätze und auch keine Schulden, und ein seliger Todsei mein unendlicher Reichtum, den wird Gott uns geben.

Ich grüße die liebe Mama kindlich und alle herzlich.

Gellert.