gescheute u. dgl. wurden ehrenfest bestritten. Die Sonntagskleider derKinder waren immer sehr schön; aber sie durften nur wenig getragenwerden. Sobald die Kinder heimkamen, mußten sie die guten Sachen aus-ziehen, damit sie recht lange als Sonntagskleider benützt werden konnten.
So wuchs Heinrich Pestalozzi an der Hand der besten Mutter undder treuesten Magd heran. Gott ließ einen berühmten Mann aus ihmwerden. Millionen von Menschen preisen ihn heute als Kinderfreundund Volkserzieher.
2. Pestalozzis Jugendzeit.
Ein guter Schüler war Heinrich Pestalozzi eigentlich nicht, ob-wohl ihm Gott herrliche Gaben verliehen hatte. Was sein Herz rührteoder seine Einbildungskraft beschäftigte, das lernte er mit Feuereiferund überraschte seine Lehrer oft durch ungewöhnliche Leistungen. Warder Unterricht langweilig, dann gingen seine Gedanken spazieren.Schreckte ihn dann eine Frage aus seiner Träumerei auf, so gab erkeine oder eine verkehrte Antwort und erntete nicht selten ein schallen-des Gelächter. Daher meinten manche seiner Lehrer, es werde nie etwasRechtes aus ihm; andere aber dachten, er könne zu Großem berufensein. Er lernte leider nie schön schreiben; die Übung war ihm zu lang-weilig. Noch schlimmer ging's in der Rechtschreibung. Es kam oft vor,daß er den schönsten Aufsatz durch die gröbsten Fehler entstellte. Rasch,wie der Vogel durch die Luft, fuhr seine Feder über das Papier. Weiler immer auf der Jagd nach schönen und guten Gedanken war, sorgteer wenig darum, was die Wörter für Schreibröcklein angezogen. DieseMängel haben ihm später viel Not gemacht. Seine Bücher mußte erdiktieren und von andern durchsehen lassen. Er klagte oft über dieversäumte Übung in der Schule: „Hätte ich meine Werkzeuge in derSchule ordentlich gewetzt, so brauchte ich jetzt nicht zu fremden Schleif-steinen zu laufen". Ohne Übung giebt's keine Fertigkeit.
Beim Spiel hatten ihn die andern Knaben gern; denn er wargutmütig, gefällig und verträglich. Aber durch seine Ungeschicklichkeitstörte er oft das Spiel. Eines Tages rief ein Mitspieler ärgerlich:„Du hast die Augen mehr am Himmel, als an der Erde und fällstüber deine eigenen Beine, und doch willst du alles besser wissen undimmer mehr sein als andere! Du bist der ,Heiri Wunderli vo Thor-likell" Den Spottnamen behielt er lange.
Schweiz. Jugendfreund. 34