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machen, glaubst Du, daß Deine Kräfte es aushalten, so mache doch jadie Reise noch hin. Was sie kostet, bezahle ich mit Freuden. Reinwaldkönnte Dich ja begleiten, und wenn er es nicht wollte, solange hieherzu mir kommen, wo ich brüderlich für ihn sorgen würde.
Überlege, meine liebe Schwester, daß Eltern in solch bedrängterLage den gerechtesten Anspruch auf kindliche Hilfe haben. Gott, warumbin ich jetzt nicht gesund — und so gesund, als ich es bei der Reisevor drei Jahren war, ich hätte mich durch nichts abhalten lassen, hin-zueilen. Aber daß ich über ein Jahr fast nicht aus dem Hause ge-kommen, macht mich so schwächlich, daß ich entweder die Reise nichtaushalten oder doch selbst krank bei den guten Eltern hinfallen würde.Ich kann leider nichts für sie thun, als mit Geld helfen, und Gottweiß, daß ich das mit Freuden thue.
Bedenke, daß die liebe Mutter, die sich bisher mit einer bewunderns-würdigen Standhaftigkeit betragen, endlich unter so vielen Leiden zu-sammenstürzen muß. — Ich kenne Dein kindliches, liebevolles Herz,ich kenne die Billigkeit und Rechtschaffenheit meines Schwagers. Beidewerden euch lehren, besser als ich, was unter diesen Umständen nötigist. Grüße ihn herzlich. Dein treuer Bruder
F. Schiller.
^)ill die Seele dir verzagenin der Leiden Übermaß,wehre deinem Mund die Klagen,und bewahre dich vor Haß!
Kies des Kummers tiefe Zeichenauf so manchem Angesicht,deinem Leid wird manches gleichen,und das einz'ge ist es nicht.
25«. Trost im Leid.
Ernst von Wildenbruch.
Wein, derMenschenThränen quillenrings, soweit die Sonne scheint,und nur der kann Thränen stillen,welcher bitter selbst geweint.
Frage drum mit stiller Stärke,all das Leiden, das dich kränkt;zu der Liebe heil'gem Werkeward es dir von Gott geschenkt.
251. Die Kreuzschau.
Adelbert von Chamisso. Gesammelte Werke.
^er Pilger, der die Höhen überstiegen,sah jenseits schon das ausgespannte Thalin Abendglnt vor seinen Füßen liegen.