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Solche Kost habe ich in meiner Not gegessen, und davon ist mir derBauch so aufgetrieben; ich mußte sie wider meinen Willen essen, und ichbin wohl halb krank davon. Wenn ich es jemals besser haben kann, sowollte ich nimmermehr um des Lonigs willen solche Not ausstehen.
Ei, ei! sagte Braun, was muß ich hören! Schätzt Ihr den Lonigso gar gering, den doch manch einer eifrig begehrt? Lonig ist eine sosüße Speise, und ich ziehe sie allen Gerichten vor. Verhelft mir dochdazu, Reineke, und ich will Euch gern einen Gegendienst erweisen!
Onkel Braun, antwortete Reineke, Ihr treibt wohl Euern Spaßmit mir?
Nein, sagte Braun, so wahr mir Gott helfe! Ich spaße überhauptnicht gern.
Da sprach wiederum der rote Reineke: Ist das Euer Ernst, solaßt es mich wissen! Mögt Ihr den Äonig so gern essen, so wohnthier ein Bauer, namens Rostefeile, zu dem es nur eine halbe Stundeist. Bei dem ist so viel Äonig — versteht mich wohl! — daß Ihr mitEurem ganzen Geschlechte nie mehr davon zu sehen bekommen habt.
Braun wässerte der Mund; denn sein ganzes Sinnen und Trachtenstand nach Lonig.
Laßt mich daran kommen! sagte er; glaubt mir, ich werde es Euchgedenken! Wenn ich mich im Lonig satt essen soll, so muß man mirschon eine gehörige Portion davon vorlegen.
Gut, sagte Reineke, machen wir uns auf den Weg; der Äonig sollnicht gespart werden! Wenn ich schon nicht recht gehen kann, so solldoch die rechte Treue, die ich gegen Euch hege, wohl sichtbar werden;denn ich kenne keinen unter allen meinen Verwandten, den ich so liebhätte, und Ihr könnt mir wohl wieder sehr gut dienen gegen meineFeinde und ihre Anklage am Lose des Königs am Lerrentage. Ichmache Euch noch heute abend mit Äonig satt und zwar mit dem aller-besten, so viel, als Ihr nur immer vertragen könnt.
Reineke gedachte aber, mit großen Schlägen ihn satt zu machen,und eilte deshalb stugs voran; Braun folgte ihm blindlings nach. Reinekedachte: Gelingt es mir, so will ich dich so gehörig aus den Äonigmarktbringen, daß du zeitlebens daran denken sollst!
Alsbald kamen sie an Rosteseiles Gehege. Da freute sich der BärBraun sehr; aber worauf er sich freute, daraus ward nichts, wie esdem Toren so oft in der Welt ergeht.
Als nämlich der Abend gekommen war und Reineke gemerkt hatte,daß der Bauer Rostefeile in seiner Behausung zu Bette war — eswar aber Rostefeile ein berühmter Zimmermann und hatte in seinemL>ose einen Eichbaum liegen, den er spalten wollte, und hatte oben indenselben zwei große Keile eingeschlagen, so daß das Äolz an der einen