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Lesebuch für die Gemeinde- und Fortbildungsschulen des Kantons Aargau : 6.-8. Schuljahr: 6.-8. Klasse der Gemeindeschule und 1.-3. Klasse der Fortbildungsschule / im Auftr. des Erziehungsrates des Kantons Aargau unter Mitwirkung der kantonalen Lesebuchkommission verf. von Alfred Lüscher und Otto Ott
Entstehung
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Seite wohl eine Elle weit auseinander gespalten war, und Reineke, derFuchs, hatte das wohl beachtet so sprach er:

Köret mich, Onkel Braun! eben hier in diesem Baume ist mehrKonig, als Ihr glaubt. Steckt Euern Kopf nur recht tief hinein undnehmt nicht zu viel, wenn ich Euch raten soll I es möchte Euch sonst imLeibe davon übel werden.

Reineke, sagte Braun, habt keine Sorge! Aaltet Ihr mich für einenToren? Maß ist zu allen Dingen gut.

Also ließ sich der Bär betören und steckte den Kopf bis über dieOhren und auch die Vorderfüße mit hinein. Da verübte Reineke eingroßes Werk; er zog die Keile hastig heraus, und da war der Bär mitKopf und Füßen fest gefangen in dem Eichbaume, und es halfihm weder Schelten noch Schmeicheln. Wohl war er sonst immer kühnund stark; aber hier hatte er doch seine volle Arbeit. So hatte der Reffeseinen Onkel mit Schelmerei in den Baum eingesungen. Dann beganner zu heulen und zu lärmen, kratzte mit den Kinterbeinen und machte«in solches Geräusch, daß Rostefeile eilig herauskam. Er dachte wunder,was es wäre, und brachte ein scharfes Beil mit für den Fall, daß esnötig wäre. Braun lag da in großer Angst; die Spalte, in der ersteckte, kniff ihn; er quälte sich ab und zog, daß er keuchte; aber daswar alles vergebliche Mühe, und er fürchtete, er würde nimmer davon-kommen.

Das war auch Reinekes Meinung, als er Rostefeile von ferne mitdem Beile kommen sah. Da rief er Braun zu: Wie steht es nun?Eßt nicht zu viel Konig; das rate ich Euch! Ist er auch gut? Ichsehe, daß Rostefeile hier herauskommt; vielleicht meint er es gut mitEuch und will Euch auf die Mahlzeit noch einen Bittern einschenken.

Damit ging Reineke wieder nach Kaufe nach seinem SchlosseMalepartus.

Als nun Rostefeile ankam und den Bären so gefangen fand, liefer rasch an einen Ort, wo er die Bauern beisammen wußte; denn siehielten dort Gasterei. Lind er sagte zu ihnen: Kommt rasch mit mir!in meinem Kos ist ein Bär gefangen.

Da folgten sie ihm alle und liefen sehr; jeder nahm sein Gewehrmit sich und was er zuerst von seinen Geräten in die Kand bekam: dereine eine Forke, der andere eine Karle, der dritte einen Spieß, dervierte einen Rechen, der fünfte einen großen Zaunpfahl. Der Pfarrerund der Küster kamen auch beide mit ihrem Geräte; die Pfarrköchin,die Frau Jutte hieß und den besten Grützbrei zubereiten und kochenkonnte, kam mit ihrem Spinnrocken gelaufen, an dem sie den Tag übergesessen hatte, um den armen Braun damit zu treffen.

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