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Fracht Euch abgenommen habe, und gab ihm die fünfhundert Rubel.Also sind jetzt die Kindlein versorgt, der Fuhr!ohn ist bezahlt, undso ein’ oder der andere der geneigten Leser vor den Toren dergroßen Stadt hätte zweifeln mögen, ob der Vetter auch zu finden seiund ob er’s tun werde, so hat doch die heilige Vorsehung ihn nichteinmal dazu vonnöten gehabt. Joh . P . HebeI .
29. Rede zu Ehren der Schweizer im Auslande.
An diesem festlichen Abend*), wo die Erlebnisse der letzten Monateernst und heiter an unsern Seelen vorüberziehen und wir scheidend nochvor diesem und jenem stille stehen, möchte ich Sie auf Augenblicke voreinem Bilde festhalten, welches unstreitig zu dem Schönsten gehört, wasdie verflossenen Tage uns gebracht haben.
Der Schweizer in der Fremde — ihrer und ihrer rühmlichen Treuegegen das Vaterland möchte ich gedenken mit wenigen Worten.
Die Schweiz hat der Söhne viele zerstreut in allen Ländern: Jüng-linge, den Künsten und Wissenschaften obliegend, andere, allseitigeKenntnisse und vollkommnern Betrieb ihres Gewerbes suchend, andere,auf fernen Kandelsstationen sich in des Großhandels Geheimnisse ein-weihend und Gebräuche und Bedürfnisse fremder Völker beobachtend,andere, in freiem Wanderleben die Welt und ihr Treiben sich ansehend,Männer im Waffendienst, Männer des kleinen Marktes, Männer desGroßhandels, Männer in der Werkstätte und Männer an der Spitzefestgewurzelter, mächtiger Geschäfte, Männer, teilweise schon seit vielenJahren von der Keimat fern und aus fremdem Boden angesiedelt. Aberwenn auch zerstreut durch alle Weltteile und alle Länder, geht doch ver-bindend ein unterirdisch mächtiges Tau zu jeder Stätte, wo Schweizerwohnen, ein Tau, das nicht reißt, selbst wenn es sich bis China undJapan strecken müßte. Wenn auch noch so verschieden in ihrem Tunund Treiben und ihrer Stellung und Lage draußen in der Welt, sotönen doch ihre Kerzen wunderbar gleich, sobald eine Saite — dasGefühl für die Keimat — bei ihnen angeschlagen wird. Wenn auchmitten unter dem Glänze königlicher und kaiserlicher Adler — das ein-fache weiße Kreuz im roten Felde ist und bleibt ihnen doch auf dasKerz gebrannt, und sie können es nicht unterlassen, es zu grüßen undihm zuzujauchzen, wo und wann es sich zeigt.
Es ist eine wunderbare Sache um das Schweizerland und seineSöhne, um die Alpenmutter und ihre Kinder. Sie werden von dieser
*) Im Februar 1857, bei einem Festmahle nach Beendigung der Länder mit Preußen be-züglich Neuenburgs.