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in das Schulhaus zurück und holte die vergessenen Bücher, Kappenund Hüte für alle. Neben dem Mute lebte ein starkes Rechtsgefühlin ihm. Wurde ein Schwacher von einem Stärkeren unterdrückt, sosprang er ihm bei, auch wenn er den Zorn des Gegners auf sich lud.Den Armen suchte er in seiner Jugend schon fast über Vermögen zuhelfen. Einem bettelnden Kinde gab er sein Stück Brot vorn Mundeweg, auch wenn er selbst hungrig bleiben mußte.
Seit seinem 9. Jahre kam Pestalozzi jeden Sommer einige Wochennach Höngg, wo sein Großvater als Pfarrer wirkte. Dort befreundeteer sich mit den Dorfkindern und lernte das Volk recht kennen und
lieben. Wohl waren manche seiner Spielgenossen zerlumpt und un-
gewaschen, aber dabei blühend wie Rosen und lustig wie Eichhörnchen.Die Kleinen freuten sich ihrer Freiheit und wuchsen frisch und kräftigheran. Aber ach! nach 3, 4 Jahren waren sie kaum wieder zu er-kennen! Die vollen Backen waren eingefallen und fahl, die Augenmatt und scheu. Um des kärglichen Erwerbes willen wurden näm-lich schon die Kinder in die Baumwollenfabrik hineingetrieben. Herz-liches Erbarmen erfüllte das Herz des Jünglings Pestalozzi. In stillenStunden sann er darüber nach, wie dem Elend des armen Volkes ab-zuhelfen und sein Glück zu pflanzen und zu mehren sei. Nur einebessere geistige und leibliche Erziehung und ein gesünderer Erwerb
konnte den Schaden heilen. Dies hohe Ziel stellte er sich immer
entschiedener als Lebensaufgabe.
Er glaubte seinem Gotte und seinem Volke am besten dienen zukönnen, wenn er Geistlicher werde, wie sein Großvater. Obschon ersich wohl vorbereitet hatte, mißlangen ihm seine ersten Versuche imPredigen. Ich kann nie ein guter Pfarrer werden! seufzte er; aberlieber keiner als ein schlechter! Und mit festem Entschluß fügte erhinzu: So will ich ein Rechtsgelehrter werden, um das Unrecht zubekämpfen, wo icli’s finde. Den Unterdrückten will ich helfen undden stolzen Sündern, die das Recht beugen, die Larve vorn Gesichtreißen! Mit andern jungen Männern vereinigte er sich zu einemRechtsbunde. Sie wollten alles dunkle Unrecht ans Licht ziehen, allemißachteten Volksrechte wieder zu Ehren bringen und so die öffent-liche Sitte und Sittlichkeit bessern. Durch ihr Wochenblatt, „denErinnerer“, der alle Bürger an ihre Pflichten und Rechte erinnernsollte, zogen sie sich die Ungnade der städtischen Machthaber zu undverloren jede Aussicht auf ein öffentliches Amt im Gemeinwesen derStadt Zürich.
Da sich Pestalozzi durch sein allzustrenges Studium eine Krank-heit zugezogen hatte, riet ihm ein Arzt, aufs Land zu gehen. Bei demberühmten Landwirt Tschiffeli in Kirchberg bei Burgdorf lernte er