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Und leer’ es im stillgewordenen HausWehmütig aufs Wohl der Geschiedenen aus.
Und fünzig Jahre sind nun herum;
Hier sitz’ ich, der lezte, der einzige, stumm.
„Wohlauf! dir, Bruder, sei das gebracht:
Du fielst, ein Beneideter, schön in der Schlacht! —
Dir, Bruder, dies: im Meer ist’s kühl —
Dir — dieses: ein böses Spiel ist das Spiel! —
Dir — dieses, Bruder: dü glaubtest mir nicht,
Dass Liebe die Herzen wie Binsen bricht.
Dir, Vielgeprüfter, ein Lebehoch!
Auch dir: schwer drückt der Ehren Joch!
Auch dir: nicht wahr, die peinlichste PeinIst die, verkannt von den Liebsten zu sein? —
Auch dir: man beneide den Dichter nicht;
Des Herzens Grabmal ist manch’ Gedicht! —
Auch dir: du leichter, glücklicher Sinn!
Du scherztest dich lächelnd ins Jenseits dahin! —“
So denkt sich der Mann, leert Glas um Glas,
Die Augen umflort’s ihm, er weiss nicht was: —
Es ist doch schwer, aus frohem VereinDer einzige — letzte Mann zu sein!
J. G. Seidl.