Buch 
Lehr- und Lesebuch für die Volksschule : 7. bis 9. Schuljahr (12. bis 15. Altersjahr) / von Ed. Schönenberger und B. Fritschi / Deutsche Sprache
Entstehung
Seite
108
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Der junge Morgenwind ist hier,

Und will sich lustig zeigen.

Heraus, heraus, du Menschensohn!

So ruft der kecke Geselle:

Es schwärmt von Frühlingswonnen schonTor deiner Kammerschwelle.

Hörst du die Käfer summen nicht?

Hörst du das Glas nicht klirren,

Wenn sie, betäubt von Duft und Licht,

Hart an die Scheiben schwirren?

Die Sonnenstrahlen stehlen sichBehende durch Blätter und Ranken,

Und necken auf deinem Lager dich

Mit blendendem Schweben und Schwanken.

Die Nachtigall ist heiser fast,

So lang hat sie gesungen;

Und weil du sie gehört nicht hast,

Ist sie vom Baum gesprungen.

Da schlug ich mit dem leeren ZweigAn deine Fensterscheiben.

Heraus, heraus in des Frühlings Reich!

Er wird nicht lange mehr bleiben.

TV. Müller.

12. Es ist so still geworden.

Es ist so still geworden,Verrauscht des Abends Wehn,Nun hört man allerortenDer Engel Füsse gelin.

Rings in die Tale senketSich Finsternis mit MachtWirf ab, Herz, was dich kränketUnd was dir bange macht!

Es ruht die Weit im Schweigen,Ihr Tosen ist vorbei,

; Stumm ihrer Freude Reigen| Lnd stumm ihr Schmerzgeschrei.I Hat Rosen sie geschenket,

Hat Dornen sie gebrachtWirf ab, Herz, was dich kränketUnd was dir bange macht!

Und hast du heut gefehlet,0 schaue nicht zurück;Empfinde dich beseeletVon freier Gnade Glück.