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F r i e S S Jl a r (1 1 (ruft noch lauter).
Zu Hilf’, zu Hilf’ den Dienern des Gesetzes !
W a 11 h e r F ü r s t.
Das ist der Vogt! Weh’ uns, was wird das werden!
Q-essler, zu Pferd, den Falken auf der Faust, Rudolf der Harras, ein grosses GefolgeVon bewaffneten Knechten, welche einen Kreis von Lanzen um die ganze Szene schliessen.
Rudolf der Harras.
Platz, Platz dem Landvogt!
G e s s 1 e r.
Treibt sie auseinander!
Was läuft das Volk zusammen'? Wer ruft Hilfe!
(Allgemeine Stille).
Wer war’s? Ich will es wissen.
(Zu Friessbardt).
Du trittst vor!
Wer bist du, und was hältst du diesen Mann?
(Er gibt den Falken einem Diener).
Friesshardt.
Gestrenger Herr, ich bin dein WalfenknechtUnd wohlbestellter Wächter bei dem Hut.
Diesen Mann ergriff ich über frischer Tat,
Wie er dem Hut den Ehrengruss versagte.
Verhaften wollt’ ich ihn, wie du befahl’st,
Und mit Gewalt will ihn das Volk entreissen.
G e S S 1 e r (nach einer Pause).
Verachtest du so deinen Kaiser, Teil,
Und mich, der hier an seiner Statt gebietet,
Dass du die Ehr’ versagst dem Hut, den ichZur Prüfung des Gehorsams aufgehangen?
Dein böses Trachten hast du mir verraten.
Teil.
Verzeiht mir, lieber Herr! Aus Unbedacht,
Nicht aus Verachtung eurer, ist’s gescheh’n.
War’ ich besonnen, liiess’ ich nicht der Teil,
Ich bitt’ um Gnad’, es soll nicht mehr begegnen.