235 '
Mit meinen Kindern — lass die armen WaisenVon deines Pferdes Huf zertreten werden!
Es ist das Ärgste nicht, was du getan —
Rudolph.
Weib, seid ihr rasend?
Armgart
(heftiger fortfahrend).
Tratest du doch längstDas Land des Kaisers unter deine Füsse!
— 0, ich bin nur ein Weib. War’ ich ein Mann,
Ich wüsste wohl was Besseres, als hierIm Staub zu liegen —
(Man hört die vorige Musik wieder auf der Höhe des Weges, aber gedämpft)..
G e s s 1 e r.
Wo sind meine Knechte?Man reisse sie von hinnen, oder ichVergesse mich und tue, was mich reuet.
ßudolp h.
Die Knechte können nicht hindurch, o Herr!
Der Hohlweg ist gesperrt durch eine Hochzeit.
G e s s 1 e r.
Ein allzu milder Herrscher bin ich nochGegen dies Volk — die Zungen sind noch frei,
Es ist noch nicht ganz, wie es soll, gebändigt —
Doch es soll anders werden, ich gelob’ es:
Ich will ihn brechen, diesen starren Sinn,
Den kecken Geist der Freiheit will ich beugen,
Ein neu’ Gesetz will ich in diesen LandenVerkündigen — ich will —
(Ein Pfeil durchbohrt ihn; er fährt mit der Hand ans Herz und will sinken).
Mit matter Stimme.
Gott sei mir gnädig!Rudolph.
Herr Landvogt — Gott! Was ist das? Woher kam das?'
Armgart (auffahrend).
Mord! Mord! Er taumelt, sinkt! Er ist getroffen!