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Lehr- und Lesebuch für die Volksschule : 7. bis 9. Schuljahr (12. bis 15. Altersjahr) / von Ed. Schönenberger und B. Fritschi / Deutsche Sprache
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Mit meinen Kindern lass die armen WaisenVon deines Pferdes Huf zertreten werden!

Es ist das Ärgste nicht, was du getan

Rudolph.

Weib, seid ihr rasend?

Armgart

(heftiger fortfahrend).

Tratest du doch längstDas Land des Kaisers unter deine Füsse!

0, ich bin nur ein Weib. War ich ein Mann,

Ich wüsste wohl was Besseres, als hierIm Staub zu liegen

(Man hört die vorige Musik wieder auf der Höhe des Weges, aber gedämpft)..

G e s s 1 e r.

Wo sind meine Knechte?Man reisse sie von hinnen, oder ichVergesse mich und tue, was mich reuet.

ßudolp h.

Die Knechte können nicht hindurch, o Herr!

Der Hohlweg ist gesperrt durch eine Hochzeit.

G e s s 1 e r.

Ein allzu milder Herrscher bin ich nochGegen dies Volk die Zungen sind noch frei,

Es ist noch nicht ganz, wie es soll, gebändigt

Doch es soll anders werden, ich gelob es:

Ich will ihn brechen, diesen starren Sinn,

Den kecken Geist der Freiheit will ich beugen,

Ein neu Gesetz will ich in diesen LandenVerkündigen ich will

(Ein Pfeil durchbohrt ihn; er fährt mit der Hand ans Herz und will sinken).

Mit matter Stimme.

Gott sei mir gnädig!Rudolph.

Herr Landvogt Gott! Was ist das? Woher kam das?'

Armgart (auffahrend).

Mord! Mord! Er taumelt, sinkt! Er ist getroffen!