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Die beiden treten an den Steintisch, legen die Finger derrechten Hand auf das Richtschwert und schwören: „Bei Gott undallen Heiligen! Frau Edeltrud hat getreulich nach der wahrenGestalt der Sache geklagt:"
Der Schultheiß: „Ist der Angeklagte im Ringe, so mag ersich verantworten!"
Über der Menge lag tiefes Schweigen. Helmbrecht war nichtunter den Anwesenden. Der Weibel erhielt den Auftrag, ihnnochmals anzurufen. Er trat auf die Straße hinaus und riefmit dröhnender Stimme nach allen vier Winden: „Ritter Helm-brecht von Wartensee! Du sollst hieherkommen, um dich zu ver-antworten wegen des blutigen Wurfs, den du gegen den KnabenWalther getan hast! Zum ersten Mal! — Zum andern Mal! —Zum dritten Mal!"
Der Schultheiß erhob sich wieder und sprach: „Bis daszweite Drittel des Tages zerronnen ist, müssen wir dem Ange-klagten Frist geben."
Nun entstand Lärm in der Menge. Der Vorsitzende erhobsich neuerdings und gebot Ruhe.
Der Harnischschmied Ringo rief: „Mein Nachbar, der KürschnerSchröter, ist schuld an der Störung. Er meint, man soll denWartensee freisprechen. Der junge Walther habe in seinem Liedden ganzen Ritterstand beschimpft; darum sei er ehrlich und red-lich niedergeworfen worden."
Der Müller Kuni entgegnete: „Walther sang ein altes, weit-hin bekanntes Lied, das er von Siegbert, meinem Knechte, gelernthat. Er war frei von jeder bösen Absicht und konnte nicht wissen,daß ein Ritter in der Nähe sei."
„Schröter soll abbitten!" schrieen viele Bürger. Das ver-langte auch der Schultheiß. Zögernd trat der Gerufene vor denSteintisch, schlug sich mit der rechten Hand auf den Mund undsagte: „Zunge, da du vorhin redetest, hast du unbedacht dichübereilt." Befriedigt murmelte die Menge.
Da aber Ritter Helmbrecht bis zum Ablauf seiner Frist nichterschien, wurde die Versammlung angefragt, ob jemand dessenVerteidigung übernehmen wolle. Niemand meldete sich, und es