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Lesebuch für die deutschen Primarschulen des Kantons Graubünden : 4. Schuljahr / [P. Conrad und A. Florin] ; hrsg. vom Kleinen Rat
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nichts. Es wäre mir besser, ich stürbe. In diesem Augen-blicke hörte sie das Geläute von dem Kirchtürme, und eskam ihr vor wie Grabgeläute. Aber ihr Töchterlein trat zuihr und sprach:Mutter, sie läuten zur Kirche. Willst dunicht zur Kirche gehen? Ich will das Haus unterdessenschon hüten. Dies sagte das Kind, weil die Mutter jedenSonntag den Gottesdienst besuchte und fröhlicher heim-kehrte. Da dachte sie:Warum sollte ich nicht auch heutezur Kirche gehen? Bin ich ja doch auch in bessern Tagenhingegangen.

2. Sie ging, jedoch mit schwerem Herzen, schämtesich aber bald ihres Unmutes und kniete in der Kirchehinter einen Pfeiler. Vor Weinen konnte sie das Lied vorder Predigt nicht mitsingen. Aber jedes Wort in der Pre-digt des Geistlichen, der von der Liebe Gottes sprach, er-quickte ihr Herz, und getröstet und ergeben in den WillenGottes, kehrte sie heim.Der Vater der Witwen undWaisen wird das Seine tun, dachte sie auf dem Heim-wege.

3. Ein wohlhabender Mann hatte die Witwe und ihrenKummer bemerkt und sich nachher bei verschiedenen Leu-ten nach ihrem Unglücke erkundigt. Am Abend saß dieWitwe mit ihren Kindern in der Stube und sagte:Wirwollen jetzt einmal eine Ziege aufziehen. Vielleicht kom-men wir auch wieder zu einer Kuh. Da muhte vor demHause eine Kuh, und es klopfte leise an die Türe. Ein Manntrat herein und sprach:Ein guter Freund schickt Euchdiese Kuh und diese Säcke nebst einem freundlichenGruße. Sogleich eilte er weg. Eine Kuh, weit schönerals die verlorene, war vor dem Hause angebunden. Jauch-zend führten sie die Kinder in den Stall, und nur mitMühe konnten sie die Säcke Korn in ihre Hütte tragen.Die Mutter weinte vor Freude. Am andern Morgen nunkam der wohlhabende Mann, der Besitzer eines großen