der Reise abmahnen, weil sie fürchtete, der Aufenthalt in Italienmöchte ihn gänzlich verderben. Sie ahnte nicht, daß er dvrt nachGottes Ratschlüsse znr Bekehrung gelangen werde. Während aberdie Mntter in einer Kapelle am Ufer für ihren Sohn betete, fuhrdieser heimlich ab, ohne von ihr Abschied genommen zu haben.Angustinns blieb nicht lange in Rom. In der Stadt Mailandsollte ein Lehrer der Beredsamkeit an der Hochschule angestellt
werden. Die Wahl fiel aufAngustinns, und dieser begabsich dorthin. Erzbischof vonMailand war damals derhl. Ambrosins, ein Mann,dessen edle Gemütsart undgroße Geistesgaben auch vonden Heiden allgemein hoch-geschätzt wurden. Angustinnsbesuchte häufig seine Predig-ten. Anfangs that er diesnicht, um etwas Gutes zulernen, sondern nur aus Ren-gierde. Nach und nach aberregte sich in ihm das Ber-langen, die katholische Lehrekennen zu lernen, und erfaßte den Entschluß, sich inderselben vollständig unter-richten zu lassen.
Um diese Zeit kam auchseine gottselige Mutter nachMailand. Sie sah, wie ihrSohn das Heil suchte, ohnees zu finden; daher ging sie unablässig in die Kirche, für den-selben zu beten.
Ihr Gebet sollte endlich erhört werden. Einstmals saß An-gnstinus allein in seinem Garten unter einem Feigenbäume. TiefeRene über sein bisheriges sündhaftes Leben ergriff sein Herz; erweinte bitterlich. Da hörte er aus einmal von des NachbarsHanse her mit der Stimme eines singenden Kindes die Worte:„Nimm und lies; nimm und lies!" Er öffnete die hei-lige Schrift, die er bei sich zu tragen pflegte, und las für sichdie Zeilen, die ihm zuerst in die Augen fielen. Es waren die