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Fünftes Schulbuch für die Primarschulen des Kantons Schwyz / im Auftr. des Erziehungsrates redigiert
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Mit Einbricch des Winters, wenn der Schnee manchen Abgrundgefüllt und die Wege geebnet bat, werden dann jene Henvorräteauf Schlitten ins Thal gebracht. Wie bei der Gemsjagd, gehtauch beim Wildhenen manches Menschenleben zu Grnnde. Alleindie Sorge um das tägliche Brot für Weib und Kind überwindetdie Furcht vor der Gefahr. Alljährlich steigt daher der arme Berg-bewohner wieder hinauf in die Flühe; doch niemals verläßt erseine Hütte ohne den frommen Spruch, den ihn sein Vater schongelehrt:Es walt' Gott und Maria."

13. Warra-Kinsiedeüi, ein wettöerühmter Wallfahrtsort.

Es war ein warmer, sonniger Herbsttag, als ich in Wädens-weil die Bergbahn von Einsiedeln bestieg. In einer Stunde führtemich das schnaubende Dampfroß hinauf von den reizenden Uferndes Zürichfees in das einsame Hochthal. Die Fahrt ist nicht weniginteressant und bietet eine genußreiche Aussicht auf das herrlicheGelände des blauen Sees mit feinen lieblichen Inseln llfnan undLützelau. Bald tauchen in der Ferne die riesigen Schneekuppcnder Alpen auf. Nachdem man bei Schindellcgi auf hoher Brückeden reißenden Sihlfluß passiert, geht es in raschem Lauf an denAbgründen des rauhen Alpthales vorüber. Und dann, welcheÜberraschung! Nach einer plötzlichen Biegung des Schienenwegeskommen auf einmal die beiden Mythen init ihren gewaltige» Zinnenzum Vorschein. Links läßt sich der Riesenbau des Klosters sehen,der, einem köstlichen Juwel gleich, umrahmt ist von saftigen Mattenund grünen Wäldern. In dessen Mitte ragt die majestätischeKirche empor mit ihren altersgrauen Türmen, an die sich zu beidenSeiten die langgestreckten Flügel des Stiftes anlehnen. Die un-zählbaren Fenster erglänzten von der Höhe herab wie Diamantenin den Strahlen der untergehenden Sonne. Zuerst war ich bei-nahe überwältigt von dem unerwarteten Anblick. So groß ichauch meine Erwartungen zum voraus gespannt hatte, sie waren»och übertroffen. Jener erste Eindruck wird mir unvergeßlich bleiben.

Durch die Hauptstraße des belebten Fleckens eilte ich, ohnemich von den zahlreichen Gasthäusern verlocken zu lassen, geradeder Abtei zu. Sie steht am Ende des Fleckens und überragt den-selben bedeutend. Vor derselben, dehnt sich ein weiter, sanft anstei-gender Platz aus. Die große Ähnlichkeit desselben mit dem St.Petersplatz in Rom überrascht den Fremden nicht wenig. In derMitte des Platzes spendet der Marienbrnnnen aus vierzehn Röhren