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42. „Weh’ euch, ihr stolzen Hallen! nie töne süsser KlangDurch eure Räume wieder, nie Saite noch Gesang;
Nein ! Seufzer nur und Stöhnen, und scheuer Sklavenschritt,Bis euch zu Schutt und Moder der Rachegeist zertritt!“
13. „Weh’ euch, ihr duft’gen Gärten im holden Maienlicht!
Euch zeig’ ich dieses Toten entstelltes Angesicht,
Dass ihr darob verdorret, dass jeder Quell versiegt,
Dass ihr in künft’gen Tagen verstehet, verödet liegt.“
14. Weh’ dir, verruchter Mörder! du Fluch des Sängertums !Umsonst sei all dein Ringen nach Kränzen blut’gen Ruhms,Dein Name sei vergessen, in ew’ge Nacht getaucht,
Sei wie ein letztes Röcheln, in leere Luft verhaucht!“
15. Der Alte hat’s gerufen, der Himmel hat’s gehört,
Die Mauern liegen nieder, die Hallen sind zerstört;
Noch eine hohe Säule zeugt von verschwundener Pracht,
Auch diese, schon geborsten, kann stürzen über Nacht.
16. Und rings, statt duft’ger Gärten, ein ödes Heideland,
Kein Baum verstreuet Schatten, kein Quell durchdrängt den Sand,Des Königs Namen meldet kein Lied, kein Heldenbuch.Versunken und vergessen! Das ist des Sängers Fluch.
L. Uhland.
47. Der Reiter und der Bodensee.
Der Reiter reitet durch’s helle Tal,
Aufs Schneefeld schimmert der Sonne Strahl.
Er trabet im Scbweiss durch den kalten Schnee,
Er will noch heut’ an den Bodensee,
Noch heut’ mit dem Pferd in den sichern Kahn,
Will drüben landen vor Nacht noch an.
Auf schlimmem Weg über Dorn und SteinEr braust auf rüstigem Ross feldein.
Aus den Bergen heraus ins ebene Land,
Da sieht er den Schnee sich dehnen wie Sand.
Weit hinter ihm schwinden Dorf und Stadt,
Der Weg wird eben, die Bahn wird glatt.
In weiter Fläche kein Bühl, kein Haus,
Die Bäume gingen, die Felsen aus.
So flieget er hin, eine Meil’ und zwei,
Er hört in den Lüften der Schneegans Schrei.
Es flattert das Wasserhuhn empor,
Nicht anderen Laut vernimmt sein Ohr.