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Der Schultheiss lag im Blut gesumpft,
Das Schwert bis an die Faust gestumpft,
Und in der linken hielt, mit Kraft,
Gefaustet, er des Banners Schaft.
So werden sie nach Haus geführtUnd schlicht mit Kreuz und Kranz geziert.Man trägt mit Sang und GlockenklangSie Mann für Mann die Stadt entlang.
Man stellt sie all’ ins TotenhausZu öffentlichen Ehren aus.
Und klagend widerhallte im Chor,
Dass Haupt und Banner man verlor.
D’rauf hielt der Weibel treu die NachtBei seinem Schultheiss Leichenwacht.
Der schlief auf seiner TotenbahrSo schön in grauem Bart und Haar.
Er sah den Herren weinend an,
Von dem er einst so viel empfahn.
Er strich den Bart ihm aus dem Mund,
Auf dass er ihn noch küssen konnt.
Da nahm er, siehe, wunderbar,
Im blassen Mund ein Tüchlein wahr.
Er fasst es an, er zieht’s hervor,
Er schaut es an, er hält’s empor.
Er ruft, als er das "Wappen sah:
»Glück auf, das Banner ist noch da!«
Gesungen ward’s in Spruch und Reim:
»Der Schultheiss bracht’s im Munde heim!«Und staunend lief die Stadt herbei,
Und pries des Bannerherren Treu’.
Und noch erzählt sich’s jung und alt,
Dass jeder treu des Amtes walt’;
Und ob er hoch, ob niedrig steh’,
"Wie Nikiaus Thut zum Fähnlein seh’!
A. Keller.
58. Rudolf Stüssi (1443).
Es schmettert die Trompete, das Horn vdn Uri ruft;Von lautem Waffenschalle ertönet rings die Luft.
Wie blitzen hell die Speere, wie tönt der eh’rne SchildWie donnern die Geschütze hin durch das Sihlgefild!