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11. Morgenlied.
Wer schlägt so rasch an die Fenster mirMit schwanken, grünen Zweigen ?
Der junge Morgenwind ist hier,
Und will sich lustig zeigen.
»Heraus, heraus, du Menschensohn!«
So ruft der kecke Geselle:
»Es schwärmt von Frühlingswonnen schonVor deiner Kammerschwelle.«
»Hörst du die Käfer summen nicht?
Hörst du das Glas nicht klirren,
Wenn sie, betäubt von Duft und Licht,
Hart an die Scheiben schwirren?«
»Die Sonnenstrahlen stehlen sichBehende durch Blätter und Ranken,
Und necken auf deinem Lager dich
Mit blendendem Schweben und Schwanken.«
»Die Nachtigall ist heiser fast,
So lang hat sie gesungen;
Und weil du sie gehört nicht hast,
Ist sie vorn Baum gesprungen.«
»Da schlug ich mit dem leeren ZweigAn deine Fensterscheiben.
Heraus, heraus in des Frühlings Reich!
Er wird nicht lange mehr bleiben.«
W. Müller,
12. Es ist so still geworden.
Es ist so still geworden,Verrauscht des Abend’s Weh’n,Nun hört man aller OrtenDer Engel Füsse geh’n.
Rings in die Tale senketSich Finsternis mit Macht —Wirf ab, Herz, was dich kränketUnd was dir bange macht:
Es ruht die Welt im Schweigen,Ihr Tosen ist vorbei,
Stumm ihrer Freude ReigenUnd stumm ihr Schmerzgeschrei.
Hat Rosen sie geschenket,
Hat Dornen sie gebracht —Wirf ab, Herz, was dich kränketUnd was dir bange macht!
Und hast du heut’ gefehlet,
0 schaue nicht zurück;Empfinde dich beseelet,
Von freier Gnade Glück.
Auch des Verirrten denketDer Hirt auf hoher Wacht —Wirf ab, Herz, was dich kränket.Und was dir bange macht!