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Es sprang davon, immer weiter in den Waldhinein. Da begegnete es einem Burschen mit einemGewehr, der zwei Hasen geschossen hatte.
„Du kommst mir gerade recht!“ lachte er undschwang sich auf das Eseldien. Er war oben, ehe esrecht wusste, wie ihm geschah, und all sein Bockenund Ausschlagen half ihm nichts. Der Bursche triebes mit seinen Schuhen und seinem Kolben, wohin erwollte, und mehr als zwei Stunden musste es ihndurch den Wald tragen, bis er vor dem nächstenDorf abstieg.
Das Eseldien war müde geworden und auchhungrig. Es lief auf eine grosse Wiese, um etwasEssbares zu suchen. Der Schnee war aber sehr hochund hart gefroren, und das Eselchen fand nicht daskleinste Kräutlein. Als es weiterlief, sah es am Endeder Wiese, hart am Waldesrand, ein altes Mütterchengehen. Das schleppte auf seinem Rücken eine grosseBürde Holz. Mühsam und langsam ging es vorwärtsund atmete schwer. Das Eselchen, das im Grundegar ein liebes Eselchen war und bei St. Nikolaus nurGutes gelernt hatte, ging ganz nahe zu dem Mütter-chen hin und blieb vor ihm stehen. Es senkte seinenKopf und sah mit seinen klugen Augen die alte Frauso aufmunternd an, dass diese das Tier wohl ver-stand. Sogleich lud sie ihm ihr Holz auf den Rücken,tätschelte ihm den Hals und machte: „Hü!“ und dasEselchen trottete sänftiglich hinter dem Mütterchenher, bis sie das kleine Häuschen erreicht hatten, weitdraussen vor dem Dorf.
Kaum war das Holz abgeladen, so kamen dieEnkelkinder der Alten, sprangen um den Eselherum und schrien: „Ach, lass mich reiten, lass michreiten!“