Buch 
Johr-y - Johr-us : Lesebuch für die Primarschulen des Kantons Solothurn : drittes Schuljahr / bearb. im Auftr. des Erziehungs-Departementes, unter Mitwirkung der Solothurnischen Lehrmittelkommission, von Leo Weber und Josef Reinhart
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97. Sneewittchen.

Es war einmal mitten im Winter, und die Schnee-flocken fielen wie Federn vom Himmel herab; dasass eine Königin an einem Fenster, das einen Rah-men von schwarzem Ebenholz hatte, und nähte. Undwie sie so nähte und nach dem Schnee aufblickte,stach sie sich mit der Nadel in den Finger, und esfielen drei Tropfen Blut in den Schnee. Und weildas Rote im weissen Schnee so schön aussah, dachtesie bei sich:Hätt ich ein Kind so weiss wie Schnee,so rot wie Blut und so schwarz wie das FIolz andem Rahmen. Bald darauf bekam sie ein Töchter-lein, das war so weiss wie Schnee, so rot wie Blutund so schwarzhaarig wie Ebenholz, und ward da-rum Sneewittchen Schneeweisschen genannt.E nd wie das Kind geboren ward, starb die Königin.

Über ein Jahr nahm sich der König eine andereGemahlin. Es war eine schöne Frau; aber sie warstolz und übermütig und konnte nicht leiden, dasssie an Schönheit von jemand sollte übertroffen wer-den. Sie hatte einen wunderbaren Spiegel; wenn sievor den trat und sich darin beschaute, sprach sie:

Spieglein, Spieglein an der Wand,wer ist die Schönste im ganzen Land?

So antwortete der Spiegel:

Frau Königin, Ihr seid die Schönste im Land.

Da war sie zufrieden; denn sie wusste, dass derSpiegel die Wahrheit sagte.

Sneewittchen aber wuchs heran und wurde im-mer schöner, und als es sieben Jahre alt war, wares so schön wde der klare Tag und schöner als dieKönigin selbst. Als diese einmal ihren Spiegel fragte: